Superintendent Manfred Sauer erhielt eine Anfrage, ob er für die Kandidatur als Bischofsanwärter zur Verfügung stände. Im Interview äußert er sich zudem scharf gegen „Karfreitag neu“.

 

Seit Jänner 2008 ist Michael Bünker Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, am 4. Mai 2019 folgt die Wahl seines Nachfolgers. Denn: Bünker tritt mit Ende August 2019 in den Ruhestand, die Altersgrenze für das Amt des Bischof liegt bei 65 Jahren. „Jede Superintendentialversammlung, in der Delegierte der Pfarrgemeinden auf Diözesanebene zusammenkommen, kann dem Synodenpräsidenten zwei Kandidaten für die Wahl vorschlagen. Wählbar zum Bischof oder zur Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Österreich sind akademisch ausgebildete, ordinierte geistliche Amtsträger österreichischer Staatsbürgerschaft, die das 40. Lebensjahr vollendet haben“, erklärt Thomas Dasek vom Evangelischen Pressedienst Österreich. Für die demokratische Wahl durch die gesamtösterreichische Synode ist eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen notwendig. Gewählt wird auf eine Amtszeit von zwölf Jahren, eine Wiederwahl ist möglich.

Kandidat? Als einer der Kandidaten wird der gebürtige Burgenländer Manfred Sauer gehandelt, seit Jänner 2002 Superintendent der Evang. Kirche Kärnten-Osttirol (Anm. Die Superintendentur hat ihren Sitz in Villach). Gegenüber dem DRAUSTÄDTER bestätigt Sauer das Gerücht: „Bis 23. März laufen die Nominierungen der Bundesländer, bis zu diesem Zeitpunkt kann jede der sieben Diözesen maximal zwei Kandidaten ins Spiel bringen. Bevor sie dies tun, werden die möglichen Kandidaten erst gefragt, ob sie für eine Wahl überhaupt zur Verfügung stehen würden. Ich wurde gefragt und habe Ja gesagt. Es ist damit aber nicht fix, dass ich auch nominiert werde.“ Maximal 14 Kandidaten können es also sein, in der Regel ist der Kreis der Vorgeschlagenen aber um einiges kleiner. „Die Anfrage ist für mich eine große Ehre und Anerkennung. Die neue Aufgabe als Bischof wäre durchaus reizvoll“, sagt Sauer.

Karfreitag. Sauer sieht die neuen Entwicklungen, dass der Karfreitag für Evangelische kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, es stattdessen einen „persönlichen Feiertag“ gibt sehr kritisch. „Für mich ist diese Entscheidung ein Affront gegen die evangelische Kirche.“ Schon vor dieser Regelung startete Sauer eine Unterschriftenaktion. „Bislang haben wir fast 30.000 Unterschriften gesammelt und werden die Aktion trotz dieser Entscheidung fortsetzen. Wir sehen aber auch, dass die Unterschriften von der Regierung ignoriert werden. Die neue Regelung wurde nicht bis zum Ende durchdacht, es wird in feste Kollektivverträge eingegriffen.“ Auch glaubt Sauer, dass durch den fehlenden Feiertag weniger Evangelische den Gottesdienst besuchen werden: „In den meisten Gemeinden findet dieser am Vormittag statt. In Villach gibt es einen zusätzlichen am Nachmittag. Wer nimmt sich drei Monate vorher seinen „persönlichen Feiertag“? Außerdem kann der Arbeitgeber diesen ablehnen. Ein zusätzlicher Urlaubstag für alle wäre ein Kompromiss gewesen, mit dem ich hätte leben können, wenn auch nicht ganz glücklich.“

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