Stein des Anstoßes war Pferdemist auf Radwegen – die Stadt Villach rügte Reiter. Diese fordern im Gegenzug endlich offizielle Reitwege.

„Sind Reiter anders zu bewerten, als andere Freizeitsportarten?“, diese Frage stellt Dieter Sommerhuber von Reitsport Sommerhuber anlässlich der öffentlichen Diskussion rund um Reitwege. Stein des Anstoßes: Die Forderung der Stadt Villach, dass öffentliche Wege nicht verunreinigt werden dürfen. Konkret geht es um Beschwerden über Pferdeäpfel auf den Rad- und Wanderwegen im Bereich Warmbad. „Das Reiten ist grundsätzlich nur auf gekennzeichneten Reitwegen erlaubt. Der Gailradweg ist kein offizieller Reitweg! Geduldet wird allerdings das Reiten neben dem Weg. Uns ist ein respektvolles Miteinander im Naturpark ganz wichtig, daher appelliere ich an alle Reiter, im Fall des Falles Pferdeäpfel von den Rad- und Wanderwegen zu entfernen“, so Vizebürgermeisterin Petra Oberrauner in einer Aussendung der Stadt.

Keine Wege. „Das verstehen wir Reiter ja auch. Wir wollen auch nicht am Radweg reiten, das ist nicht sehr angenehm. Aber wenn es keine Alternativen gibt, muss man zumindest kurzfristig auf diesem Radweg reiten. Wenn die Vizebürgermeisterin sagt, Reiten ist hier verboten, ist das ihr Recht. Aber es muss auch für uns Wege geben. Rund um Villach gibt es bis zu 1000 Pferde – für alle wird etwas getan, nur für uns Reiter nichts“, kommt Sommerhuber auf die anfangs gestellte Frage zurück und erklärt weiter: „Es gibt bei uns rund zehn Reithallen, alle in privater Hand. Auch zehn Fußballplätze, aber welcher Fußball-Trainer hat schon selbst einen solchen privat bezahlt? Es wäre an der Zeit, auch einmal für uns etwas zu tun. Ideales Gelände gäbe es etwa in Fürnitz neben der Autobahn. Reiter werden immer nur als „reich“ angesehen, viele leisten sich aber nur das Pferd und sonst nichts. Ich mag die Villacher Politik nicht angreifen, ich mag die Stadt. Aber wenn ich Kritik übe, muss ich auch eine Lösung haben. Ich bin gerne bereit, mich mit den Verantwortlichen auf ein Gespräch zu treffen.“ In Wernberg gab es laut Sommerhuber Pläne für offizielle Reitwege. Die Gespräche seien aber im Sand verlaufen, der Grund: Schwierigkeiten mit den Grundeigentümern. Auch im Wald darf man theoretisch nicht reiten. Sommerhuber: „Wir sind entweder nur geduldet oder das Reiten ist überhaupt verboten. Eigentlich halte ich mich mit meiner Meinung immer zurück, aber Reiten ist auch ein Sport, der sehr stark die Jugend anspricht. Zudem ist es ein nachhaltiger Faktor für die Wirtschaft – ein Pferd braucht Futter. Das einfach unter den Tisch zu kehren, finde ich nicht gerecht. Ein Fahrrad kauft man einmal und das war es dann mit den größeren Kosten. Wirtschaftlich gesehen hat die Stadt von uns einen größeren Nutzen als von Radfahrern.“

Pferdeäpfel. Auch zum Thema Pferdeäpfel hat Sommerhuber eine klare Meinung: „Der Mist hat auf dem Fußweg nichts verloren, das ist klar. Mehr ärgere ich mich darüber, wie es rundherum, auch beim Gailradweg, aussieht – Plastik, Glas, Dosen und anderer Restmüll. Ein Reiter liebt die Natur, der schmeißt nichts weg. Kurz: Es stört mich einfach, dass wir immer angegriffen werden, aber null Unterstützung erhalten.“ Ähnlich sieht das Petra Schretter aus Tschau: „Ich steige auch ab und schiebe den Mist auf die Seite. Wir haben keine Reitwege und müssen die Wege der Radfahrer und Fußgänger benutzen. Ich habe das Gefühl, wir stören immer. Als Kind habe ich die Pläne vom Reit Eldorado Kärnten mitbekommen, was ist eigentlich daraus geworden?“, fragt sich die Besitzerin eines Pferdes.

Dieter Sommerhuber

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