Eine historische Turmuhr zeigt den Menschen am Stroneggerhof auf der Koralpe die Uhrzeit und die Mondphasen an. Hofbesitzer Holger Schilling hat sie selbst restauriert.

Das Herz von Holger Schilling schlägt für die Feinmechanik. Im Restaurieren von Großuhren, aber auch Autos und Motorrädern findet er Erfüllung: „Es ist eine Form der Wertschätzung für die Arbeit, die andere investiert haben. Ich halte es für wichtig, dass dieses Wissen erhalten bleibt“, erklärt der Diplom-Forstingenieur und Werkzeugmacher. „Eine Uhr im schlechten Zustand lässt mich selbst ganz unrund laufen.“ So begann auch sein Interesse für die Turmuhr der Kirche St. Josef in Kardorf, gelegen im Rheinland. Diese rottete schon Jahre vor sich hin, bevor sich Schilling ihrer annahm und die Uhr im Laufe von zwei Jahren von Grund auf renovierte. Bei über 500 Einzelteilen und einem Gesamtgewicht von knapp 300 kg ist dies eine Herausforderung für jeden Feinmechaniker, denn hier muss im Hundertstelmillimeter-Bereich gearbeitet werden. Nicht nur dem Uhrwerk hat der Techniker neues Leben eingehaucht. Ein selbst gemachtes Ziffernblatt samt Zeiger und eigens angefertigte Glocken komplettieren die Uhr.

Mangeljahre
Nicht minder faszinierend ist die Geschichte, die mit dem Präzisionswerk einhergeht. Holger Schilling verfügt über eine lückenlose Dokumentation der bisherigen Geschichte der Uhr, vom Bau durch die deutsche Firma Hörz 1938 über die Anzahlung 1947 – noch in Reichsmark – und die Abbezahlung 1948 in Deutschen Mark (allerdings mit massiven Preiserhöhungen) bis hin zum heutigen Tag. Aus dem Schriftverkehr zwischen der Kirchengemeinschaft in St. Josef und den Zulieferbetrieben ist die Not der (Nach-)Kriegszeit deutlich herauszulesen. So stand die Gemeinde lange Zeit ohne Glocken da – das nötige Metall war nicht aufzutreiben. Damals fielen viele Kirchenglocken der Rüstungsindustrie zum Opfer und wurden eingeschmolzen. Auch das Glas, das man für den Kasten des Uhrwerks benötigt hätte, war Mangelware. Für Holger Schilling ist seine Turmuhr nicht nur ein Zeitanzeiger, sondern auch ein Symbol „für die eigene Vergänglichkeit. Sie macht bewusst wie die Zeit verrinnt und dass man selbst nur ein ganz kleines Rad im Räderwerk der Zeit ist.“

Besichtigungsgruppen und Uhrenliebhaber können sich unter 0660/2502052 melden

Uhrenliebhaber und Feinmechaniker Holger Schilling mit seinem „Schatz“ – eine deutsche Turmuhr aus dem Jahr 1938

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