Der Begriff Tierwohl ist in Zeiten, in denen Regionalität und Nachhaltigkeit großgeschrieben wird, natürlich in aller Munde, doch man muss es differenziert betrachten.

Natürlich möchte jeder von uns, dass das Fleisch, welches auf unsere Teller kommt, von Tieren stammt, die bestmöglich gehalten und versorgt wurden. Gerald Laggner vom Zechnerhof in Pusarnitz ist einer jener Bauern, der seinen Tieren ein bestmögliches Leben bieten möchte. Wir haben uns mit ihm über das Thema Tierwohl unterhalten.

Begriffserklärung
Tierwohl ist ein Schlagwort, welches tiergerechte Haltung von Nutztieren zusammenfassen soll. In Deutschland gibt es eine breite Diskussion zum Thema und zahlreiche Tierwohllabels, die erlassen wurden. Auch bei uns in Österreich wird es zunehmend ein Thema.

Chancen
Die Tierwohllabels und Gütesiegel, welche meist von Handelsunternehmen, Produktionsgemeinschaften oder NGOs (z. B.Vier Pfoten) entwickelt werden, umfassen im Idealfall alle Stufen der Fleischproduktion von Zucht, Geburt, Mast und Schlachtung der Tiere. Der Konsument kann damit je nach Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit des Gütesiegels darüber entscheiden, wie die Tiere gehalten werden, und die gewünschte Produktqualität kaufen. „Für den Bauern als Tierhalter gibt es zwei Aspekte. Er muss von dem Einkommen leben können und die erhöhten Standards verursachen erhöhte Kosten,“ erklärt Gerald Lagger.

Wirtschaftliche Aspekte
Das heißt, dass der Produzent die erhöhten Kosten mit höheren Produktionserlösen zumindest ausgleichen können muss. Außerdem sollte der Markt für diese Produkte empfänglich sein. Die Frage des erhöhten Tierwohls in der Nutztierhaltung wird sich auf lange Sicht auf wirtschaftlicher Ebene entscheiden.
Wenn es wirtschaftlich nicht möglich sein wird, mit erhöhten Standards zu produzieren und dabei die entsprechenden Umsätze zu erzielen, werden sich die Standards nicht durchsetzen. „Erhöht man die gesetzlichen Standards allein in Österreich und der Konsument ist nicht bereit, die Mehrkosten zu bezahlen, so wird die Produktion in Österreich sinken und Produkte aus anderen Ländern werden in den österreichischen Supermärkten angeboten werden,“ spricht Gerald Laggner ein mögliches Szenario an.

Lurnfelder Sommerschweine
Gerald Laggner setzt Tierwohl auf seinem Hof bestmöglich um. Die Schweine für die Dauerwarenerzeugung hält Laggner auf Teilspaltenböden mit Stroheinstreu. „Diese Haltungsmethode wäre noch verbesserungsfähig, der Investitionsbedarf hoch und durch geringe Stückzahlen bei der Direktvermarktung schwer zu verdienen,“ gibt er sich selbstkritisch. Das Frischfleisch wird nunmehr seit vier Jahren durch Schweine in Freilandhaltung – die Lurnfelder Sommerschweine produziert. Wie der Name schon sagt, werden die Tiere in den Sommermonaten im Freien gehalten. „Nur um sagen zu können, ich halte ganzjährig Schweine im Freiland, möchte ich meinen Tieren nicht zumuten, auf vereisten, verschneiten Böden ganzjährig zu verbringen,“ erklärt Laggner.

Produktion
Die Ferkel, welche für eine bessere Fleischqualität mit der Durocrasse gekreuzt sind, werden in Göriach am Betrieb Scheiflinger geboren und aufgezogen. „Die Schlachtung erfolgt möglichst schonend und stressfrei im nur 1 km entfernten Schlachthof von meinem Berufskollegen Ottmann-Warum,“ erklärt der Landwirt. Es gibt jährlich zwei Schlachttermine, den 9. Oktober und den 6. November. Auch die lokalen Restaurants wie zum Beispiel die Satisfactory in Spittal bieten zur Schlachtzeit das feine Fleisch der Lurnfelder Sommerschweine an.

©N.Hader