Die ÖWR-Einsatzsstelle St. Andrä sieht sich mit der immer schlimmer werdenden Nichtschwimmerproblematik und der Vernachlässigung der elterlichen Aufsichtspflicht konfrontiert.

Es passiert innerhalb von Sekunden: Ein kleines Kind verlässt das Badetuch und läuft schnurstracks ins Wasser. Das Ufer fällt steil ab, das Kind ist innerhalb von Sekunden verschwunden. Sekunden, in denen die Mutter vielleicht gerade ein Whatsapp-Nachricht liest. So geschehen am St. Andräer See. „Das Kind konnte gerettet werden, doch solche Situationen kommen viel öfter vor, als man denkt“, weiß Christian Hafner, Regionseinsatzleiter-Stellvertreter der Österreichischen Wasserrettung in St. Andrä.

Handy weg!
„Jeden Tag beobachten wir, wie Eltern aufs Smartphone schauen, während das Kind unbeaufsichtigt ist. Es gilt die Regel: Ein Kind, das nicht schwimmen kann, muss zu jedem Zeitpunkt in Griffweite sein!“ Selbst wenn sich das Kind nur fünfzehn Meter von den Eltern entfernt im Wasser befindet und den Boden unter den Füßen verliert, kann es innerhalb von Augenblicken untergehen. Auch für einen erfahrenen Rettungsschwimmer kann es dann schwierig sein, es wieder zu finden. „Wir von der Wasserrettung sind vor Ort und tun, was wir können, aber die Aufsichtspflicht liegt bei den Eltern“, stellt Hafner klar. Auch Schwimmflügel sind keine Lebensretter! Wenn das Kind ohnmächtig wird, sind die Hände zwar über Wasser, der Kopf aber nicht.

Leiser Tod
Rund 80 Prozent aller Ertrinkungsunfälle passieren in unmittelbarer Nähe zu anderen Menschen. Der Grund: Der Ertrinkungsvorgang ist lautlos. „Solange man rufen oder strampeln kann, hat der Körper genügend Energie, sich über Wasser zu halten. Bei Kindern könnte man das zum Beispiel als Herumtollerei auslegen“, sagt der erfahrene Rettungsschwimmer. „Beim eigentlichen Ertrinkungsvorgang hat man keine Kontrolle mehr über den Körper. Man treibt fast bewegungslos an der Wasseroberfläche und kann nicht mehr um Hilfe rufen oder strampeln.“ Sogar sehr guten Rettungsschwimmern fällt es schwer, eine solche Situation zu erkennen. „Es gibt Videos aus Schwimmbädern, in denen Ertrinkende oft 20 Minuten inmitten anderer Badegäste treiben, ohne dass es jemand bemerkt. Wir verwenden dieses Material zur Schulung“, so Hafner. Im heimischen Pool gilt: Wenn die Kinder im Pool plötzlich ruhig sind, herrscht Alarmstufe Rot.

Vier von zehn Kindern haben Angst vor Wasser
Die ÖWR St. Andrä bietet bis in den August hinein laufend Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene an. Auffallend: Kinder können immer schlechter schwimmen. Den Hauptgrund sieht Hafner bei den Eltern: „Beim Schwimmkurs erkennen wir sehr schnell, ob sich Eltern mit ihrem Kind beschäftigen oder nicht“, so Hafner. „Mittlerweile haben vier von zehn Kindern schon große Probleme damit, wenn ihnen beim Duschen Wasser über das Gesicht läuft. Da hilft dann auch der Schwimmkurs nichts, denn diese Kinder können kein sicheres Gefühl im Wasser entwickeln. Die Eltern müssen die Grundlage schaffen.“

Keine Wasserrettung in Wolfsberg
In der ÖWR-Einsatzstelle St. Andrä sind aktuell 55 Rettungsschwimmer aktiv. Seit rund zwei Jahren betreuen sie auch das Stadionbad Wolfsberg mit, dessen eigene Einsatzstelle aufgrund von Mitgliedermangel stillgelegt wurde. Das Problem: Für einen regulären Dienstbetrieb im Stadionbad verfügt die ÖWR St. Andrä über zu wenige Rettungsschwimmer. „Unser Ziel ist es, einen Kreis von fünf bis sieben Personen aufzubauen, der den Helfer- bzw. den Retterschein macht, damit wir auch im Stadionbad wieder täglich präsent sein können“, erklärt Hafner. Alle Infos finden Sie unter www.oewr.or.at.

Egal, ob am See oder im Schwimmbad, Kinder niemals unbeaufsichtigt lassen!

Christian Hafner, ÖWR-Regionseinsatzleiter-Stv.

Schwimmkurse für Kinder laufen in St. Andrä bis in den August hinein

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