Im Juli sind Resi und Gustav „Gusti“ Tschofenig aus Thörl-Maglern 60 Jahre verheiratet. Im Gespräch mit dem DRAUSTÄDTER verraten sie uns ihr „Liebes-Rezept“.

Eine Tankstelle in Thörl-Maglern – das war der Beginn einer nun schon über 60 Jahre andauernden Partnerschaft. „Bei dieser Tankstelle war damals ein Gasthaus dabei, da hat meine Frau gearbeitet“, erinnert sich Gusti Tschofenig und Resi erzählt weiter: „Gusti ist mit seinem Moped immer zum Tanken gekommen. Aber so oft, dass es schon auffällig war. Ich habe mir schon gedacht, so viel kann man gar nicht verfahren.“ Irgendwann fasste sich Gusti ein Herz und bat seine Resi um ein Rendezvous – mit Erfolg. Es folgte eine echte Kärntner Hochzeit, denn das erste Kind war schon unterwegs… „Ich bin mit Verdacht auf Blindarm ins Krankenhaus gekommen, da hat sich herausgestellt, dass ich schwanger war. Innerhalb von acht Tagen war das Aufgebot bestellt“, erinnert sich Resi Tschofenig.

Tipps von Profis. Was ist das Geheimnis ihrer langen Beziehung? „Unsere Kinder und Enkelkinder sind sehr wichtig für uns. Und Resi kocht sehr gut. Außerdem haben wir immer sehr bescheiden gelebt“, sagt Gusti und Resi betont: „Man muss zusammenhalten und nicht bei jedem Streit sofort auseinandergehen.“ Kleine, tägliche Liebesbeweise sind beiden immer noch wichtig: „Ich richte ihm jeden Tag das Frühstück, seit mehr als 60 Jahren. Und mein Mann schaut darauf, dass ich es immer warm habe und die Heizung funktioniert.“ Es sei auch wichtig, das zu schätzen, was man am anderen hat. „Gusti war immer lieb zu mir und nie viel im Gasthaus“, sagt Resi, während ihr Mann erklärt: „Ich schätze an Resi, dass sie immer brav war und so gut kocht. Halt meistens etwas zu viel.“ Resi schmunzelt: „Mein Vater hat immer so viel gegessen, da hab ich für meinen Mann halt zwölf Knödel gekocht, auch wenn er nur zwei gegessen hat.“

Ratschläge hat auch der Villacher Psychotherapeut Sebastian Brandl, folgende vier Punkte sind immer wieder hilfreich, wie er uns im Interview erzählt. „Paare sind in Ihren Zielen, Wünschen, Fähigkeiten, Problemen so unterschiedlich wie die Menschen, die sich in diesen Paaren zusammenfinden. In der Paartherapie wiederholen sich aber einige Themen immer wieder, etwa das Miteinander sprechen“, sagt Brandl und ergänzt: „Viele Paare kommen erst in Therapie, weil ihnen diese Art miteinander zu sprechen irgendwie abhanden gekommen ist.“ Punkt 2: Wünsche, anstatt Klagen, hören. Brandl: „Mein Tipp wäre hier, wenn einen der/die PartnerIn wieder mal anjammert sich die Frage zu stellen, was möchte er/sie eigentlich damit? Welches Bedürfnis wird nicht beachtet?“ Punkt 3: Sagen, und dazu stehen, was einem persönlich wichtig ist! „Diese Art miteinander zu sprechen, fördert es, ehrlich mit sich selbst zu sein, frei zu sagen was man gerne möchte und was auch nicht“, sagt Brandl. Punkt 4: Humoristische Distanz zu sich selbst und der Paarbeziehung. „Als Therapeut rege ich meine Klienten dazu an, die Art, wie sie miteinander umgehen, von außen blickend anzusehen. Einen Schritt zurück zu machen und über sich selbst und seine Beziehung auch mal herzhaft zu lachen wäre mein vierter Tipp.


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Beziehungs-Killer. “Möglichst wenig miteinander sprechen, und wenn, dann am besten streiten! Den/Die PartnerIn in erste Linie als JammererIn wahrzunehmen und ihm/ihr das auch vermitteln! Sagen Sie Ihrem/Ihrer PartnerIn ja nicht, was sie wirklich denken/fühlen/wünschen! Jeder Konflikt ist todernst“, fasst Brandl ironisch zusammen. Das „Online-Dating“ nimmt immer mehr zu. Wie sieht das der Psychotherapeut? „Kritisch würde ich es sehen, wenn damit die Partnerwahl einer konsumistisch-rationalen Logik unterzogen wird. Partner sozusagen nach objektiven Kriterien (Interessen, Aussehen, Bildungsgrad…) ausgewählt werden. Oft passt am besten was nicht zu passen scheint.“

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