In der neu entdeckten Dobratsch-Höhle wurde ein altes Holzfass gefunden. Warum es quasi Teil des Kühlschranks von anno dazumal war, weiß Andreas Langer, Chef der Ktn. Höhlenrettung.

Im „Großen Gipfelschacht“ der Höhle befindet sich ganzjährig ein großer Eiskegel – je nach Witterung der einzelnen Jahreszeiten gibt das Eis immer wieder Neuland der Höhle frei. „Als der Schachtboden erreicht wurde, entdeckten wir unterhalb des Eiskegels ein Holzstück mit rund 50 Zentimetern Länge. Dieses befand sich unter dem Eis und wurde gerade freigegeben“, sagt Langer. Das Holzstück ist auf einer Seite trogähnlich eingetieft und man erkennt deutliche Spuren mechanischer Bearbeitung. Die Verwendung des Holztroges war zunächst unklar. Langer: „Als Wassertrog zu klein, für einen Materialtransport zu unpraktisch. Der Trog wurde erst an der Fundstelle belassen, um eine Zerstörung zu vermeiden, inzwischen wurde er aber an das Geologische Institut der Universität Innbruck übergeben.“ Hier wurde auch das Alter des Holzfasses bestimmt: Der Baum dafür wurde im Herbst/Winter 1778/79 geschlagen. Schon zuvor gab es Theorien über die Verwendung dieses Fasses, diese wurden mit dieser genauen Datierung nun bestätigt: Bei dem Fund handelt es sich um ein Pulvertrögl, welches vor rund 240 Jahren in der Dobratsch-Höhle verwendet wurde. „Nach Ansicht der Uni Innsbruck wurde es zum Mischen von Schwarzpulver bzw. zum Positionieren der Lademenge für Sprengungen verwendet“, so Langer. Der Bevölkerung war bekannt, dass in der Höhle permanent Eis war. Langer: „Die Theorie lautet, dass größere Eis-Blöcke aus der Höhle gesprengt und nach Villach gebracht wurden. Im Sommer wurde das Eis zum Kühlen verwendet. Sozusagen der Kühlschrank von anno dazumal.“

Zeitspeicher. „Eine Höhle ist unser Labor der Vergangenheit. Darin bilden sich viele Oberflächenereignisse ab und es sammeln sich viele Informationen, die an der Oberfläche nicht mehr vorkommen. Manchmal findet man z.B. Bakterien und Pollen, die es sonst nirgends mehr gibt, auch für den medizinischen Bereich ist die Höhlenforschung nicht unwesentlich“, sagt Langer. So läuft derzeit ein weiteres Projekt, die Erforschung der sogenannten „kryogenen Höhlenkarbonate“. Diese sind Indikatoren für eiszeitlichen Permafrost. Langer: „Wir haben, u.a. mit dem Großen Gipfelschacht eine Höhle mit permanenten Eisvorkommen, um die Entstehung solcher Sinterformen erforschen zu können. Kyogene Höhlenkarbonate treten oftmals als Häufungen auf, welche wie Sägespäne aussehen. Erst konnten wir uns nicht erklären, wo diese herkamen.“ Vereinfacht gesagt ist dies der Kalk, welcher das Sinterwasser abgibt, kurz bevor es gefriert. Wenn man diese Carbonate mit einer speziellen Methode der Altersbestimmung analysiert, kann man relativ exakte Rückschlüsse über den Zeitrahmen der letzte Eiszeit ziehen. Langer: „Dh. bei Vorliegen der Ergebnisse kann die Periode der letzten Eiszeit in der u.a. in der Region Villach viel genauer bestimmt werden.“

Vortrag. Aufgrund des enormen Interesses folgt am 21. Oktober (18 Uhr, Congress Center Villach) der dritte Teil der Dobratsch-Vorträge mit neuen Erkenntnissen. Auch wird das historische Holztrögl erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

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