Wenn Kinder nicht mehr bei den Eltern leben können: Die Sozialpädagoginnen Helga Aubermann und Stefanie Hohenwarter erzählen vom Alltag mit Kindern und Jugendlichen in der Hermagorer WG.

Sie sollen und wollen kein Elternersatz sein, dennoch bieten sie den Kindern und Jugendlichen innerhalb der Wohngemeinschaft eine Vertrauensperson. Kindern, die aus ihren Familien weg- und in die Wohngemeinschaft-Cowota der Diakonie de La Tour in Hermagor gekommen sind. Die Sozialpädagoginnen bauen eine Beziehung auf, zeigen ihnen den Weg für ein gewaltfreies Miteinander und helfen selbstständig zu werden. Teamleiterin Helga Aubermann und Stefanie Hohenwarter arbeiten seit der Eröffnung am 1. August 2009 in der WG.

Was geschieht?
Kinder und Jugendliche kommen immer über die Kinder- und Jugendhilfe zu uns. Die zuständigen Sozialarbeiter entscheiden meist gemeinsam mit den Familien über eine mögliche Betreuung bei uns. Die Gründe, warum die Kinder kommen, sind sehr unterschiedlich. „Egal wieso die Kinder kommen, wenn sie bei uns sind ist es immer das Ziel, ihnen bei der Bewältigung der Situation und ihrer persönlichen Entwicklung zu helfen,“ erklärt Helga Aubermann.

Alltag
„Unser Alltag ähnelt dem Aufbau einer Großfamilie. Die Kinder stehen auf und gehen zur Schule oder Arbeit. Wenn sie nachhause kommen, gibt es Unterstützung bei täglichen Aufgaben. Am Abend ist uns ein gemeinsames Essen wichtig, um die Kommunikation und den Austausch mit den Jugendlichen zu pflegen. Freizeitaktivitäten werden speziell an den Wochenenden angeboten und vielschichtig gesetzt. Es gibt selbstverständlich Regeln, aber auch viele Freiheiten. Sie sind natürlich auch alleine unterwegs und können wenn die Voraussetzungen stimmen, bei Freunden übernachten,“ erzählt Stefanie Hohenwarter, die Teamleiter-Stellvertreterin. „Es geht darum, ihnen einen normalen Tagesablauf zu ermöglichen. Sie lernen in betreuten Innenwohnungen direkt im Haus langsam aber stetig, wie man sich selbst versorgt und einen Haushalt führt, sie können sich aber immer auf unsere Unterstützung verlassen,“ sagt Aubermann.

Enger Kontakt
Da es immer das Ziel ist, dass die Kinder zu ihrer Familie zurückkehren, stehen die Pädagoginnen im ständigen Kontakt mit den Eltern. „Die Kontaktpflege ist wichtig, derzeit fahren alle in regelmäßigen Abständen zu ihren Familien. Generell haben wir ein sehr gutes Arbeitsverhältnis mit den Eltern und Sozialarbeitern,“ so Aubermann. Dennoch gibt es Kinder und Jugendliche, die von ihrer Ankunft weg bis zum 18. Lebensjahr oder bis zur Beendigung ihrer Ausbildung bei uns sind. Entweder weil die Umstände zuhause die Rückführung nicht erlauben oder einfach mehr Unterstützung benötigt wird.

10-Jahres-Jubiläum
Heuer feiert die WG-Cowota ihr 10-jähriges Jubiläum. Einst für Jugendliche ab 13 Jahren gegründet, stieg der Bedarf. Also ist das Haus nun ein Zuhause für Mädchen und Buben zwischen 10 und 18 Jahren. Insgesamt kümmern sich neun Sozialpädagoginnen um bis zu 11 Kinder im Haus, außerdem werden Jugendliche in Außenwohnungen mitbetreut. Bis jetzt wurden in Hermagor rund 45 Kinder betreut und begleitet.

 

 

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