Familie, Tradition, Naturverbundenheit – im Granitztal macht Martina Köstinger ihre Wohnsituation zum Ausdruck dessen, was ihr im Leben wichtig ist.

Wie alt Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude der Familie Köstinger vulgo Veidl in Gönitz wirklich sind, weiß keiner so genau. Fest steht, dass es bereits weit über 200 Jahre auf dem Buckel hat und bis 1966 noch als Gasthaus diente. Bis vor zwei Jahren wohnten in dem alten Haus noch vier Generationen zusammen: Martina als junge Chefin des Obstverarbeitungsbetriebes mit Mutterkuhhaltung, ihre beiden Söhne Matthias (5) und Thomas (2), deren Großeltern Hans und Irmgard sowie Uroma Leopoldine. „Vor allem im gemeinsamen Bad und der Küche war das zeitweise ganz schön eng, aber die Vorteile überwiegen. Die Arbeit am Bauernhof wäre ohne meine Eltern nicht möglich und auch meinen Kindern tut das Aufwachsen im Familienverband gut“, sagt Martina, die den Betrieb vor neun Jahren übernommen hat.

Von der Tenne zum Appartement
Direkt an das alte Wohnhaus angeschlossen ist der Gärungs- und Verkostungskeller, der nicht nur als Arbeitsstätte, sondern von April bis Oktober auch als Ausflugsziel für die Passagiere des St. Pauler Mostlandexpress‘ dient. Darüber befand sich bis vor kurzem noch die alte Tenne, die während der letzten Jahre nur noch als Holzlagerplatz diente. Seit Dezember des Vorjahres wohnt hier Martina mit ihren beiden Söhnen. Den Anstoß für den bemerkenswerten Umbau gab Seniorchef Hans Köstinger: „Für ihn war immer klar, dass hier eine Wohnung entstehen sollte. Am liebsten hätte ich die alte Tenne umgebaut, doch dafür war sie schon zu sehr in Mitleidenschaft gezogen“, erzählt Martina. „Also haben wir sie abgerissen und etwas Neues geschaffen.“ Geplant wurde die Wohneinheit vom St. Pauler Zeichenbüro Manfred Theuermann. Während der Umsetzung arbeitete Martina eng mit der Firma Lavanttaler Holzbau zusammen, die nicht nur ihre Wünsche umsetzte, sondern sich auch in die kreative Gestaltung einbrachte: „Vom Chef bis zum Arbeiter – alle haben ihre Ideen eingebracht!“ Diese äußern sich unter anderem in kleinen, aber reizenden Details, etwa die apfelförmigen Aussparungen in der hölzernen Außenwand des WCs.

Holz soweit da Auge reicht
Bis auf ein paar wenige Rigips-Platten besteht die gesamte Wohnung aus Holz. Selbst im Außenbereich griff man im Sinne der Holzriegelbauweise auf vollkommen naturbelassenes Lärchen- und Fichtenholz zurück. Doch auch die alte Tenne besteht in Martinas Wohnung weiter. Der ursprüngliche Tennenboden dient heute als rustikale Wandvertafelung im Wohnzimmer und der Küche. Die alten Holzfenster finden heute als Schauvitrinen neue Verwendung. Auch die tierischen Tennenbewohner durften bleiben: „Wenn es abends ruhig ist, hört man deutlich die Holzwürmer, die sich durch das Material fressen“, lacht Martina, die sich davon nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Familienprojekt
Während Martina bei der Bauausführung ausschließlich auf Lavanttaler Firmen vertraute, drückten auch ihre Eltern der Wohnung ihren ganz persönlichen Stempel auf. Sämtlich Bilder im Innenraum stammen aus der Hand von Mutter Irmgard, ihres Zeichens leidenschaftliche Malerin. Auch das Bedrucken und Nähen der Vorhänge nahm sie in die Hand. „Mein Vater hat außerdem die Sitzecke samt Esstisch im Wohnzimmer sowie die Terrassenmöbel selbst hergestellt“, freut sich die 38-jährige Landwirtin. Ihr ganzer Stolz ist aber der traditionelle Holzherd in der Küche. Auch wenn derzeit hauptsächlich Mutter Irmgard die Familie mit ihren Kochkünsten verwöhnt und so gut wie täglich im angeschlossenen Elternhaus gegessen wird, wird wohl spätestens im Herbst die Tochter des Hauses zum Festmahl laden.

Eingangsbereich im Zeichen des Apfels

Ein Foto aus dem 18. Jahrhundert. Bis 1966 wurde in Gönitz ein Gasthaus geführt

In den Wohnräumen leben Teile der alten Tenne weiter

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