Im Frühjahr 2019 soll Spatenstich für neues Haus der Psychiatrie und Psychotherapie erfolgen. Für 2022 ist die Fertigstellung anberaumt. Derzeit werden auf einer Station Drogen- und Alkoholabhängige gemeinsam therapiert. Bis zu 15 Drogenpatienten sollen im neuen Haus auf einer eigenen großzügigen Station behandelt werden.

Der graue Linoleumboden glänzt, Pfleger eilen emsig umher, die Wände sind in einem faden Gelb gestrichen – die Station 2 für Suchtkranke Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie hat seine besten Zeiten hinter sich. Die Räume auf der Station, genauer gesagt die Räumlichkeiten des gesamten Hauses, scheinen die triste Situation von Menschen in seelischen Krisen widerzuspiegeln. Das soll sich mit dem geplanten Neubau ändern: In vier Jahren wird in unmittelbarer Nähe eine neue Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie entstehen. Die Kosten sollen sich auf etwa 38 Millionen Euro belaufen. Hätten Sie es gewusst? Die Psychiatrie ist die größte Abteilung des Klinikums Klagenfurt. Etwa 3.000 Personen werden hier Jahr für Jahr stationär behandelt.

Neues Sucht-Konzept
Fünfzehn Plätze werden hier für Menschen, die drogensüchtig sind, vorhanden sein. „Die aktuelle mediale Diskussion hat darauf keinen Einfluss. Die Bettenzahl der neuen Station wurde bereits vor drei Jahren entschieden“, sagt Abteilungsvorstand Herwig Oberlerchner. Im neuen Haus der Psychiatrie und Psychotherapie wird die Aufteilung der Stationen neu geregelt. Zur Zeit werden Alkohol- und Drogenabhängige auf einer Station behandelt. Im Neubau wird es eine eigene Station für Drogenabhängige geben. „Die Patienten leiden in der Regel an Entzugserscheinungen. Suchtkranke benötigen viel Raum. Daher sind die Räumlichkeiten großzügig geplant. Mit Angeboten wie Bädern oder Tischtennis sollen die Suchtkranken ihre Entzugserscheinungen abfedern“, sagt Oberlerchner. Was auch neu ist: Es soll die Möglichkeit geben, dass die Patienten drei bis vier Wochen auf der Station bleiben müssen. Das Angebot wird in Kärnten einzigartig sein. Suchtkranke aus dem westlichen Teil von Kärnten werden in Zukunft in Klagenfurt therapiert.

Risikobereitschaft nimmt zu
Zur Zeit werden an der Station für Abhängigkeitserkrankungen Personen mit Suchterkrankungen behandelt. 17 Männer und 5 Frauen – im Schnitt sind zwei davon sind drogenabhängig. Drogenkranke nehmen also nur einen geringen Teil ein. Der Großteil wird wegen Alkoholsucht behandelt. Dr. Andreas Schuh ist leitender Arzt der Station 2 für Suchtkranke Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie in Klagenfurt und ist seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Thema Drogensucht vertraut. „Die Gründe für eine Sucht sind vielseitig. Ein Grund dafür ist die Selbsttherapie. Ich habe in Rotterdam einen Suchtkranken behandelt, der davon überzeugt war, dass nur Heroin bei seinen Depressionen helfen konnte“, sagt Schuh. So kompliziert und vielschichtig das Thema Drogenkonsum ist, – eines steht fest: Das Konsumverhalten hat sich geändert. „Waren es in den 90er-Jahren noch zur Hälfte reine Heroinkonsumenten und der Rest Misch-Konsumenten, haben wir heute zum überwiegenden Teil Misch-Konsumenten“, sagt Schuh. Und genau hier liegt die große Gefahr. Die Konsumenten wissen oft nicht in welcher Konzentration ihr Rauschmittel vorliegt, viele überschätzen sich. Dazu kommen der Handel mit illegalen Substanzen aus dem Internet, die oft hochdosiert sind. „Die Risikobereitschaft hat stark zugenommen. Früher wurde nicht so stark gemischt – die Folgen werden außer Acht gelassen“, sagt Oberlerchner. Ein weiterer gefährlicher neuer Trend zeichnet sich ab: Dealer stellen sich auf das begrenzte Budget von Schülern ein und verkaufen Heroin in kleinen Mengen.

Online gegen Sucht
Der Verein Oikos begeht mit einer Live-Chat-Beratung neue Wege. Hier kann sich jeder kostenlos und anonym Mittwoch von 20 bis 22.30 Uhr auf www.oikos-klagenfurt.at beraten lassen. Telefonberatung ist bei Oikos unter Tel.: 0463/592527, Mo-Do von 8 bis 17 Uhr und Fr von 8 bis 12 Uhr. Der anonyme Live-Chat soll aufgrund der starken Nachfrage ausgebaut werden.

Foto oben: Primarius Herwig Oberlerchner: „Suchtkranke werden hier große Räumlichkeiten für Therapie haben“

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Psychiatrie-Vorstand Herwig Oberlerchner mit der Visualisierung des geplanten Psychiatrie- und Psychotherpiegebäudes

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Herwig Oberlerchner und Arzt Andreas Schuh: „Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Bindung zu vermitteln, ist eines der besten Mittel zur Suchtprävention“

Foto: KRM