In letzter Zeit gab es einige Meldungen über einen eventuell anstehenden Lehrermangel. Wie sieht die Situation in Kärnten bzw. Oberkärnten aus?

Wir haben uns mit Bildungsdirektor Robert Klinglmaier, Helga Reiter von der Bildungsdirektion Kärnten, Direktor Adolf Lackner und Schuladministratorin Edith Rainer von der HLW Spittal sowie der Direktorin der Neuen Musikmittelschule in Seeboden Claudia Casanova-Mörtl unterhalten.

Ein Thema

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Lehrermangel in Kärnten zu einem Thema werden wird, das bestätigt auch Bildungsdirektor Robert Klinglmaier: „In den nächsten 10 bis 15 Jahren gehen mehr als die Hälfte der Lehrer in Pension, diese Altersstruktur gibt es aber in ganz Österreich.“ Der Lehrermangel ist also ein mittelfristiges Thema, auch wenn es momentan an den Oberkärntner Schulen noch keine Auswirkungen gibt. Das bestätigt auch der Direktor der HLW Spittal an der Drau Adolf Lackner: „Momentan gibt es bei uns keine Personalengpässe, obwohl in nächster Zeit einige Pensionierungen anstehen, aber es gibt ausreichend Lehrpersonal, das eine Stelle sucht.“Auch die Direktorin der NMS Seeboden Claudia Casanova-Mörtl sieht in nächster Zukunft keine Probleme: „ Die viel zitierte Pensionierungswelle wird meine Schule in den nächsten Jahren nur bedingt betreffen.“ Man kann also festhalten, dass es zwar aktuell noch keinen akuten Mangel an Lehrern gibt, aber es sicherlich über kurz oder lang zum Thema werden wird. Auch aus demographischen Gründen, da einfach immer weniger Junge nachkommen und im Jahr 2060 nur noch die Hälfte der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sein wird.

Oberkärnten

Wie sich die Situation in Oberkärnten in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist schwer zu sagen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die ländlichen Regionen Probleme bekommen werden, auch weil viele in den Zentralraum ziehen und der Bedarf an Lehrern dort noch größer sein wird. Die Situation in Oberkärnten ist aber generell eine Spezielle was auch Helga Reiter von der Bildungsdirektion Kärnten bestätigen kann: „In den Tälern ist es generell schwerer Lehrer zu finden, hier gibt es auch einige Sonderverträge, das heisst das Volksschullehrer oder Lehrer von höheren Schulen an einer NMS unterrichten.“

Neuer Ausbildungsmodus

Laut der Lehrergewerkschaft wird es einen gewissen Engpass auch durch den neuen Ausbildungsmodus geben. Es gibt nunmehr eine generelle vierjährige Ausbildung, die nicht mehr nach Schultypus sondern altersbezogen ausgerichtet ist. In den nächsten Jahren gehen tausende Lehrer in Pension und es ist noch nicht ganz klar, wie man diese nachbesetzt. Die Schuladministratorin der HLW Spittal an der Drau Edith Rainer ist aber zuversichtlich, dass ihre Schule diese Herausforderung meistern wird: „Als größte berufsbildende Schule im Bezirk Spittal an der Drau sind wir für viele Junglehrer ein attraktiver Standort.“

Quereinsteiger

Bei der Frage, ob Quereinsteiger für den Lehrberuf eine sinnvolle Alternative sind, scheiden sich die Geister. Direktor Adolf Lackner meint: „Das ist schwierig – es gibt klare gesetzliche Grundlagen, welche Voraussetzung für eine Lehrbefähigung an Primarschulen oder Sekundarschulen für eine dauerhafte Anstellung vonnöten ist.“ Direktorin Casanova-Mörtl meint, dass fachspezifische Quereinsteiger mit vorhandener pädagogischer Kompetenz durchaus eine Lösung sein können. „Aus meiner Erfahrung mit fach- und pädagogisch kompetenten Quereinsteigern kann ich dies zur Überbrückung allfälliger personeller Notsituationen nur empfehlen,“ meint die Direktorin. Noch ist der Lehrermangel in Kärnten also nicht das große Thema, in Zukunft wird sich das allerdings ändern.

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