Wieder heiß diskutiertes Thema: Was passiert nach der Pensionierungswelle? Kommt es an Schulen im Bezirk Hermagor zu Engpässen? Direktoren im Gespräch

In den kommenden fünf bis zehn Jahren gehen österreichweit tausende Lehrer in Pension – noch ist unklar, wie die offenen Stellen nachzubesetzen sind. Die Lehrergewerkschaft warnt bereits. Die Frage ist: Wie schafft man es, neue Lehrer an die Schulen zu bringen? Der Befund, dass es sich möglicherweise nicht ausgeht, erhöht auch die Rolle von Quereinsteigern.

Bildungszentrum Lesachtal
In den nächsten Jahren stehen im Bildungszentrum Lesachtal drei Pensionierungen an, doch wenn die Pensionierungswelle kommt, wird laut Direktor Hans Guggenberger das halbe Konferenzzimmer nachzubesetzen sein. „Knapp die Hälfte unserer Lehrer wird in den nächsten 10 Jahren die Pension antreten, diese Plätze müssen nachbesetzt werden. Die Lücke tut sich bei uns im NMS Bereich auf. Wie die Nachbesetzung erfolgen kann, ist noch nicht klar. Einerseits könnten Volksschullehrer die Lücken schließen, andererseits haben viele AHS Lehrer keine Anstellung.“ „Dennoch kommt das Problem näher. Wir hoffen einfach darauf, einige einheimische Lehrer zu bekommen oder dass sich neue Lehrer im Lesachtal sesshaft machen möchten. Denn schon bei der Gründung im Jahr 1996 hatten wir nur drei heimische Lehrkräfte, der Rest zog zu. Außerdem befinden sich einige Gail- und Lesachtaler gerade in der Ausbildung. Ich hoffe, sie kehren in die Heimat zurück und bleiben nicht in den Städten,“ sagt Hans Guggenberger.

Bildungsdirektor
„Aktuell ist die Situation so, dass wir noch keinen Lehrermangel haben, es wird aber ein Thema werden. Der Altersdurchschnitt insgesamt zeigt, dass mehr als die Hälfte der Lehrer 50 Jahre und älter sind und in wenigen Jahren in Pension gehen. Diese Altersstruktur haben wir in ganz Österreich“, sagt Klinglmair. Ob eher ländliche Regionen wie das Gailtal oder Zentralräume wie Villach davon betroffen sein werden, lässt sich noch schwer sagen. Einerseits könnte die Situation am Land schwieriger werden, anderseits wollen immer mehr Familien in Städten leben und der Bedarf an Lehrern wird hier höher. Neben der demographischen Entwicklung ein weiterer Grund für den Engpass: Es gebe nun eine generell vierjährige, und damit teilweise längere, Lehrer-Ausbildung – diese sei nicht mehr nach Schultypus, sondern altersbezogen ausgerichtet. Klinglmair: „Die Jobaussichten schauen gut aus. Wir bewerben den Lehrerberuf daher wieder aktiv oder bieten Quereinsteigern eine entsprechend pädagogische Schulung.“ Außerdem arbeite das Land aktuell an einer neuen Schulstruktur, so wird etwa eruiert, wo Bildungszentren entstehen könnten.

Quereinsteiger
Direktor Hans Guggenberger sieht die Möglichkeiten für Quereinsteiger positiv: „Ich fände es gut, wenn beispielsweise Fachkräfte aus der Wirtschaft Lehrer werden würden. Denn diese Menschen mit Praxis bringen neue Erfahrungen in den Schulalltag. Sie können den Kindern wertvolles Wissen aus der Arbeitswelt vermitteln.“ Die Bereitschaft zur Weiterbildung sieht er als Grundvoraussetzung. Denn nur so könne der Bildungs- sowie „Erziehungsauftrag“ gewährleistet werden. „Generell finde ich es schöner, am Land zu unterrichten. Die Schülerzahl ist überschaubar und das Verhältnis Schüler-Eltern-Lehrer ist ein angenehmeres. Dennoch müssen Quereinsteiger eine entsprechende pädagogische Ausbildung absolvieren – eine geeignete Grundausbildung für einen abwechslungsreichen Unterricht ist dringende Voraussetzung.“

Wie die offenen Stellen im Lesachtal besetzt werden ist noch offen

Hans Guggenberger, Direktor des Bildungszentrums Lesachtal

©Bildungszentrum Lesachtal, ©KK/Privat ©stock.adobe.com/jozsitoeroe (großes Bild)