Der extrem verregnete Mai war eine Katastrophe für die Bienen. Eine Erklärung von Imkern im Bezirk zur Lage und (vorsichtige) Prognosen für das Honigjahr 2019.

Ein „Katastrophenwetter“ herrschte heuer im Mai für die Bienen, wie Bienenzucht-Bezirksobmann Anton Hinterer weiß: „Die Bienen konnten nicht ausfliegen.“ Können die Bienen keine Nahrung sammeln, sind die Imker gefordert – für das Überleben der Völker, wurde mit Sirup oder Zuckerwasser gefüttert.

Prognosen
Der Klimawandel zeigt seine Auswirkungen: „Das ist ein mitteleuropäisches Problem, das betrifft nicht nur Kärnten“, sagt Hinterer. Vor einer Woche, Anfang Juni, meinte er auf Nachfrage zur aktuellen Situation: „Man kann eine leichte Zunahme beim Volksgewicht feststellen.“ Für Waldhonig sammeln die Bienen den Honigtau, den Lausarten auf den Bäumen hinterlassen. Die aktuellen Wetterprognosen können zwei Szenarien zur Folge haben: „Wird es zu heiß und trocken, geht die Lauspopulation ein. Kommen Starkregen und Gewitter, wird die Lauspopulation von den Bäumen gewaschen“, erklärt Hinterer. „Wie überall in der Landwirtschaft bräuchten wir einen Mittelweg.“

Zweites Jahr in Folge
Bereits das vergangene Jahr war für die Honigernte ein sehr schlechtes: „Es war ein Nullsummen-Spiel“, erinnert sich Hinterer. „Zuerst gab es zwar eine sehr gute Blütentracht, aber dann ist der kalte Regen gekommen. Es hat sehr wenige Gebiete gegeben, wo die Imker schleudern konnten.“

Kurze Zeit
Die Akazien bei seinen Stöcken in Höhenbergen nennt der Tainacher Hobbyimker Manuel Schwagerle, Mitglied des BZV Stein im Jauntal, als derzeit wichtigste Quelle für seine Bienen: „Sie können die Bienen über die nächsten Tage bzw. Wochen retten“, so Schwagerle. Wegen dem extremen Regen im Mai hat auch er nachgefüttert. „Wenn es nicht mehr regnet und der Honigtau aus den Fichten nicht herausgeschwemmt wird, wird man mit einem blauen Auge davonkommen“, ist seine vorsichtige Einschätzung. Die Zeit, die bis Ende Juli noch bleibt, ist allerdings kurz.

Motivation
Es ist erst Schwagerles drittes Jahr als Bienenzüchter – und bereits das zweite mit schlechten Voraussetzungen für die Honigernte. Trotzdem: „Es gibt keine Demotivation“, betont er. „Ich mache es primär für die Natur, damit es Bienen noch gibt. Reich werden kann man nicht dadurch.“ Und obwohl in der Bienenzucht viel Arbeit steckt, schätzt er es als entspannendes Hobby, als Ausgleich zum stressigen Job. Tochter Luisa (10) war die treibende Kraft, dass Manuel Schwagerle mit der Bienenzucht begonnen hat, ihren Honig haben sie auch entsprechend „D’n’D – Daughter and Dad Honig“ genannt. „Meine Tochter motiviert mich zusätzlich“, lacht Schwagerle. „Sie ist ganz begeistert und fasziniert und will auch unbedingt weiter machen.“

Abwarten
Beim Bienenzuchtverein Petzenland-Peca in Bleiburg wurde ebenfalls gefüttert, wie Obmann Erich Rudolf informiert. Außerdem merkt er noch einen zweiten Aspekt an: „Sehr viele neue Königinnen sind nicht mehr oder sehr spät zur Begattung gekommen“, so Rudolf. „Bei der Waldtracht ist Mairegen prinzipiell gut für die Entwicklung der Läuse, aber es muss einige Tage schön sein. Die Gefahr ist, dass starker Regen die Läuse und den Honigtau abwäscht. Wir hoffen jetzt, dass sich die Läuse gut entwickeln. In etwa einem Monat wissen wir, ob wir heuer einen Ertrag haben“, erklärt Rudolf. In der Bienenwelt Bründl arbeitet der Verein an Fortbildungen für Imker und bringt mit dem Naturlehrpfad allen Interessierten die Welt der Bienen näher. Auf der Homepage www.bienenzucht-bruendl.at ist auch die Bienenwaage mit aktuellen Daten und Statistik.

Foto: Der Tainacher Hobbyimker Manuel Schwagerle bei der Arbeit
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