Nach 14 Jahren als Tormanntrainer beim VSV, wechselt Markus Kerschbaumer nach Salzburg. Im Interview sagt er: „Der VSV stand immer an erster Stelle. Jetzt heißt es aber einmal ‚Kersche first’“.

Markus Kerschbaumer, der Wechsel nach Salzburg ist fix. Wie kam es zum Entschluss, den VSV nach so langer Zeit zu verlassen?

Markus Kerschbaumer: Zunächst muss ich eines sagen: Ich bin dem VSV enorm dankbar. Hier konnte ich, als ich mit 30 Jahren meine Tormannkarriere beendete, als erster professioneller Tormanntrainer Österreichs arbeiten. Greg Holst fragte mich damals, was ich denn machen will. Für mich war immer klar, dass ich Tormanntrainer werden will, so ergriff ich diese Möglichkeit. Es waren fantastische Jahre. Ein Dank geht hier meinen Tormanntrainer-Kollegen Manuel Skacal und Christoph Felsberger. Auch die Zusammenarbeit mit unserem Athletik Trainer Gregor Grutschnig war immens wertvoll für meine Athleten und mich. Mit ihnen war es eine super Zusammenarbeit. Klar ist jedoch: Man will sich immer weiterentwickeln. Über die Jahre gab es viele, viele Angebote von anderen Klubs. Ich habe immer abgelehnt, habe immer gesagt: Ich möchte noch schauen, wie sich der entwickelt, dann der, dann der… Der Verein stand immer im Vordergrund. Konkret gab es in den letzen Jahren mit RedBull einige Gespräche und mehrere Angebote von In- und Ausländischen Vereinen. Wie gesagt, einmal passte es sportlich nicht, dann kam familiär was dazwischen. Jetzt haben sie wieder angefragt und jetzt hat es gepasst. Sie haben mich sozusagen, zum richtigen Zeitpunkt erwischt. Für mich heißt es jetzt, nach 14 Jahren, einmal ‚Kersche first‘. Ich möchte schauen wie weit ich es schaffe. Würde ich diesen Schritt nicht gehen, ich würde es später sicher einmal bereuen.

Wie sehen die Vertragsmodalitäten in Salzburg aus?

Markus Kerschbaumer: Ich habe für drei Jahre unterschrieben. Gleichzeitig hat mir mein Arbeitgeber, die Gebietskrankenkasse (Kerschbaumer arbeitete dort auf Teilzeitbasis, Anm.), die Möglichkeit gegeben mich drei Jahre zu karenzieren. Auch dafür muss ich mich bedanken, dass das so geklappt hat. Hauptsächlich werde ich mich um die Kampfmannschaft in Salzburg kümmern. Wer mich kennt, der weiß allerdings, dass ich den Nachwuchs nie aus den Augen lassen werde. Ich werde also auch in der Akademie von RedBull zu finden sein.

Die Goalies in Salzburg heißen J.P. Lamoureux und Lukas Herzog. Ihr kennt euch aus Villacher Zeiten bestens. War das auch ein Grund für den Wechsel?

Markus Kerschbaumer: Zu einem Teil sicher. Es ging ja so: Red Bull kam auf Lamoureux und Herzog zu und fragte, wen sie sich als neuen Tormanntrainer vorstellen könnten. Da haben beide „Markus Kerschbaumer“ gesagt. Das freut mich natürlich. Dann nahm alles, wie schon beschrieben, seinen Lauf.

Sie haben es schon angesprochen: In Villach haben Sie ja bei der Gebietskrankenkasse auf Teilzeitbasis gearbeitet. Nebenbei dann der eigentliche Vollzeitjob als Tormanntrainer. Es ist jetzt eine Art neues Leben, oder?

Markus Kerschbaumer: Ja, komplett. In Villach war es teilweise so, dass ich um 6.30 in die Halle zum Frühtraining gefahren bin, dann in die Arbeit, dann das erste Training, dann wieder in die Arbeit und dann bis am Abend durch Eishockey. In Salzburg habe ich jetzt, wenn man so sagen will, nur Eishockey. Es ist aus einem anderen Grund ebenso ein neues Leben: Ich ziehe fix nach Salzburg, komme aber an trainingsfreien Tagen nach Villach. Wenn immer es geht, wird mich meine Familie in Salzburg besuchen. Ich habe mich mit meiner Frau lange beratschlagt, sie und die Kinder haben mir schließlich den Rücken gestärkt, diesen Schritt zu gehen.

Wie nahm der VSV-Vorstand die Entscheidung auf?

Markus Kerschbaumer: Mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits müssen sie nun einen neuen Tormanntrainer suchen. Andererseits versteht der Vorstand, dass ich meine Chance jetzt nutzen muss. Da wurden mir keine Steine in den Weg gelegt. Da schönste für mich wäre ein Finale Salzburg gegen Villach.

Über Markus Kerschbaumer
Markus Kerschbaumer (44) wurde 2005 der erste fix angestellte Tormanntrainer Österreichs. In Villach trainierte er nicht nur die Kampfmannschaft, sondern zusammen mit Manuel Skacal und Christof Felsberger auch die Goalies der Nachwuchsteams. Kerschbaumer gilt als der profilierteste Eishockeytormanntrainer Österreichs. Zu seinen Schützlingen zählen: J.P. Lamoureux, Lukas Herzog, David Kickert, Gert Prohaska, Oliver Roy oder Bernd Starkbaum. Vor seiner Trainerkarriere war Kerschbaumer als Tormann beim VSV und Zell am See aktiv.