In Frantschach-St. Gertraud sind 577 Bürger und Beschäftigte durch Hochwässer bedroht. Darum werden aktuell Schutzmaßnahmen auf einer Länge von 1,73 Kilometer gebaut.

Hochwasserereignisse haben in Frantschach-St. Gertraud innerhalb der letzten 20 Jahre immer wieder zu schweren Überflutungen und Schäden in Millionenhöhe geführt. 2010 sorgten schwere Niederschläge im Bereich Preitenegg/Auerlinggraben für massiven Hochwassereintrag durch den Arlingbach und den Waldensteinerbach. „Die Lavant stieg sprunghaft an, obwohl es im Ort überhaupt keinen Regen gab“, erinnert sich Bgm. Günther Vallant.

Schwimmende Autos
Der Schaden war immens: Das Gemeindeamt stand unter Wasser, wodurch das gesamte Dokumentenarchiv im Keller zerstört wurde. Ebenso „schwammen“ die Polizeigarage inklusive zweier Fahrzeuge, der Keller des Kindergartens, die Sportplatzkantine inklusive aller Nebenräume und der Turnsaal der Volksschule. Der Sportplatz glich einer Schlammwüste. Der Schaden allein für die Gemeinde betrug rund 350.000 Euro, jenen der privaten Häuser und Betriebe noch gar nicht eingerechnet. Das war nicht die einzige Hochwasserkatastrophe, die die Marktgemeinde bisher heimgesucht hat, wohl aber eine der schwersten. „Hauptgefahrenquellen sind der Prössingbach, der Fraßbach und die Lavant“, so der Bürgermeister. „Bisher hatten wir das Glück, dass immer nur jeweils eines dieser Gewässer Hochwasser führte. Es ist aber durchaus möglich, dass alle drei zugleich anschwellen – das wäre fatal.“

Fertigstellung 2020
Im Projektgebiet vom Siedlungs- und Gewerbereich im Norden bis hin zur Mündung des Prössingbaches sind 577 Bürger und Beschäftigte bzw. 40 Gebäude durch Hochwässer der Lavant gefährdet. Nach Schlägerungsarbeiten im Herbst und Winter wird seit Feber permanent mit Volldampf an der Fertigstellung der zahlreichen geplanten Maßnahmen gearbeitet. Die Fertigstellung der Mauer nördlich des Skaterplatzes und des rechtsufrigen Hochwasserschutzdamms beim Sportplatz inklusive der Lavantausweitung (siehe Infobox) sind mit Feber 2020 bis Ende Juni 2020 eingeplant. „Bei guten Witterungsverhältnissen ist aber eine frühere Fertigstellung durchaus möglich“, kündigt Bauamtsleiter Patrik Pietschnig an. Zu den weiterführenden Arbeiten zählt die Bepflanzung und optische Verschönerung der Anlagen. Darunter auch die Gestaltung der „Lavantmeile“ am Hochwasserschutzdamm im Bereich des Sportplatzes. Dabei handelt es sich um eine verkehrsberuhigte und beleuchtete Geh- und Radwegverbindung von der Ortschaft Frantschach nach St. Gertraud.

Gefahr durch Hochwässer
Nur eines kann den Zeitplan durchkreuzen: Weitere Hochwässer während der Bauphase. Ist ein solches absehbar, werden die Arbeiten sofort eingestellt und jene Eingriffe in die bisherigen Gegebenheiten, die im Überschwemmungsfall zu einer Verschlechterung der Situation beitragen könnten, rückgängig gemacht.

Finanzierung
Das Vorhaben schlägt mit rund 4 Millionen Euro zu Buche und ist damit das kostenintensivste Bauprojekt in der Geschichte von Frantschach-St. Gertraud. Die Marktgemeinde selbst steuert 840.000 Euro bei. Jeweils 1,58 Millionen Euro kommen vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie vom Land Kärnten. „Ich halte es für wichtig, dem Steuerzahler transparent zu machen, was mit dem Geld passiert“, sagt Bgm. Vallant.

Aufräumarbeiten nach dem verheerenden Hochwasser von 2010

Die Maßnahmen im Detail:
– Mündung Prössingbach: Die Lavant wird auf 150 Meter rechtsufrig ausgeweitet. Parallel entsteht ein neuer Damm bzw. wird der bestehende Damm beim Sportplatz erhöht.
– Lavantsteg: Die bestehende Brücke wird abgetragen und durch einen neuen Steg weiter flussauf ersetzt.
– Prössingbach-Fraßbach: Zwischen den beiden Mündungen werden auf ca. 500 m Schutzmauern errichtet bzw. bestehende Mauern erhöht.
– Schoberbrücke: Flussauf der Brücke sind abschnittsweise Mauern, Dämme und flächige Anschüttungen in Arbeit.
– Nördlicher Ortsteil: Das linksufrige Siedlungs- und Gewerbegebiet wird auf einer Länge von 500 m durch Mauern geschützt.

© KRM (großes Foto), © KK