Die Lesachtaler Gemeinden schauen über den Tellerrand und erarbeiteten als erste ein völlig neues Entwicklungskonzept für ihre Region. Wir wissen, was es mit dem „Tiroler Lesachtal“ auf sich hat.

Verwaltungstechnisch sind sie getrennt, doch die vier Gemeinden Lesachtal, Untertilliach, Obertilliach und Kartitsch schließen sich zusammen – nicht nur zu einer Marke, sondern zu einer Talschaft, welche liebevoll „Tiroler Lesachtal“ genannt wird.

Hintergrund
Die Bewohner dieser vier Gemeinden leben in einem Tal, dennoch liegt eine Bundesländergrenze zwischen ihnen. Das Lesachtal auf Kärntner Seite und die drei Tiroler Gemeinden auf der anderen Seite verbindet so einiges. Gemeinsam haben sie im letzten Jahr bereits ein vierwöchiges Programm zur Sicherstellung der Kinder-Sommerbetreuung auf die Beine gestellt, dennoch bleibt immer eine Hürde zwischen ihnen. Deshalb haben sich alle vier Bürgermeister zusammengetan und einen gemeinsamen Namen sowie eine Marke geschaffen. Ziel ist es, die Probleme des Tales zu identifizieren und gemeinsam über die Gemeindegrenzen hinaus zu bewältigen sowie die Stärken des gesamten Tales weiter auszubauen.

Organisation
Mittlerweile gingen schon einige Treffen des Lesachtaler Talschaftsparlaments über die Bühne. Das Talparlament ist ein Gremium, wo alle Gemeinderäte der Gemeinden des Lesachtals vertreten sind. „Zu Beginn ging es um das Kennenlernen. Wir mussten erst Vertrauen schaffen und ausloten, wer welche Problembereiche bearbeiten möchte. Außerdem war es wichtig, unsere Stärken und Möglichkeiten zu erkennen und herauszufinden, wie wir diese nutzen,“ erklärt Johann Windbichler, Bürgermeister der Gemeinde Lesachtal. Bei den Treffen werden die Anwesenden in Arbeitsgruppen aufgeteilt, um verschiedene Themen wie Familie, Angestellte und Wirtschaftstreibende, Landwirte und Gäste zu bearbeiten. Die ersten Ergebnisse aus den einzelnen Gruppen sollen dann in weiteren Treffen vertieft, in Ziele formuliert und schlussendlich in einem LEADER–Projekt zusammengeführt werden. Begleitet wird das Talschaftsparlament von den Leader-Managern der Regionen Hermagor und Osttirol, Friedrich Veider und Michal Hohenwarter, sowie den Moderatoren.

Bisher
Neben den Treffen und Arbeitskreisen, die abwechselnd in den vier Gemeinden abgehalten werden, entstand der Sommerkindergarten. Außerdem wurde im Sommer das erste „Talschaftsblatt“ veröffentlicht. Eine Gemeinschaftskapelle bestehend aus acht Lesachtaler Musikkapellen ist derzeit geplant. Bei einem Talschaftsfest soll diese auftreten, eingeladen wird die Bevölkerung aus den vier Gemeinden. Hier werden dann die weiteren Ergebnisse präsentiert, Kulinarik und das Kinderprogramm kommen nicht zu kurz.

Neu
Derzeit gibt es einige wenige länderübergreifende Projekte, hier ist die Region Hermagor mit der Kooperation zu Italien einzigartig. Doch eine bundesländerübergreifende Kooperation wie im Lesachtal gab es noch nie. „Es ist die Grenze, die man nicht einfach so umgehen kann. Wir sehen, dass in Tirol vieles anders läuft als in Kärnten, dass kann sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil sein. Ich würde mir wünschen, dass es ein eigenes Budget oder Fördermittel für solche Initiativen gibt. Denn derzeit gibt es noch nicht einmal Richtlinien dafür,“ sagt Johann Windbichler.

 

 

© Lesachtaler Talschaftsparlament