Obwohl mittlerweile bereits mehr als die Hälfte des durch den Sturm Vaia zerstörten Baumbestandes aufgearbeitet ist, ist noch keine Entspannung in Sicht.

Insbesondere die wirtschaftlichen Folgen dieser Schadereignisse treffen die Waldbesitzer hart. Im Bezirk Spittal waren vor allem das Obere Möll- und Drautal stark betroffen. Wir haben uns mit Bezirksforstinspektor Gerd Sandrieser über die Situation im Bezirk unterhalten. „Die wirtschaftlichen Folgen sind teilweise als dramatisch zu bezeichnen, da der Rundholzpreis seit Herbst 2018 um ca. 25 % auf derzeit rund 75 € gefallen ist,“ meint Sandrieser. Mittelfristig ist keine Erholung des Marktes in Sicht, da es im gesamten mitteleuropäischen Raum ein Überangebot an Schadholz gibt.

Käferbefall
In den Sommermonaten kam es zusätzlich zu den Windwurfschäden zu einer starken Zunahme der Borkenkäferbefallsflächen. „Vor allem im Drautal zwischen Sachsenburg und Dellach i. Dr. sowie im Mölltal unterhalb von Stall sowie in exponierten Seitentälern ist die Situation angespannt,“ erklärt Gerd Sandrieser. Dabei bewegt sich die Schadholzmenge in einer Größenordnung von mehreren tausend Festmetern.

Schutzwald
Durch den Sturm und den Borkenkäferbefall wurden auch Schutzwaldbestände zerstört, welche eine wichtige Schutzfunktion für die Bevölkerung haben. Um diese Schutzfunktion aufrecht erhalten zu können, wurden gemeinsam mit dem Forsttechnischen Dienst der Wildbachverbauung und durch den Landesforstdienst u.a. im Bezirk Spittal/Dr. sogenannte flächenwirtschaftliche Schutzwaldprojekte erarbeitet. „Im Rahmen der Projekte wird die Aufarbeitung des Schadholzes, die nachfolgende Aufforstung sowie Begleitmaßnahmen mit öffentlichen Mitteln gefördert werden,“ erklärt Sandrieser. Ebenso werden technische Maßnahmen wie Schutzbauten durchgeführt, um die teilweise verlorengegangenen Schutzwirkungen der Wälder auszugleichen. Im Bezirk wurden zum Beispiel Steinschlagschutznetze in Kolbnitz, Mallnitz, am Pfaffenberg in Obervellach, im Liesertal entlang der B 99 usw. errichtet.

Projekte
Es gibt auch einige konkrete Projekte, welche sich mit dem Thema Schutzwald beschäftigen. So hat zum Beispiel die Schutzwald-Initiative von Helvetia Österreich den Gemeinden Mörtschach und Radenthein eine Spende von 25.000 Jungbäumen übergeben. „Als wir von einem Kollegen vor Ort informiert wurden, wollten wir möglichst rasch im Zuge des Schutzwald-Projekts etwas für die Betroffenen vor Ort leisten“, berichtet Werner Panhauser, Vertriebsvorstand bei Helvetia. „Um die so wichtige Schutzfunktion ausüben zu können, müssen wir die Wälder nachhaltig stärken und sind dankbar für die 25.000 Jungbäume“, so Michael Maier, Bürgermeister der Gemeinde Radenthein beim Start der Aufforstung in Döbriach, bei der auch Helvetia Schutzwald-Patin Alexandra Meissnitzer vor Ort war.

Ausblick
Im Bezirk Spittal ist die Fichte mit 80 Prozent die klar dominierende Baumart, Laubhölzer bilden eine Nebenrolle. „Bei den ausgedehnten Fichtenwäldern handelt es sich nicht um unnatürliche „Fichtenmonokulturen“, sondern um montane und subalpine Fichten- bzw. Fichten-Lärchenwälder, die als natürliche Waldgesellschaften auf diesen Standorten vorkommen,“ stellt Gerd Sandrieser klar. Es gibt im Bezirk aber auch tiefere Lagen wie das Lurnfeld bzw. das Drautal, wo eine Erhöhung des Laubholzanteiles anzustreben ist. Auch die forstliche Beratung, u.a. durch die Bezirksforstinspektion Spittal/Dr., geht in diese Richtung. In den nächsten Jahren ist ohne einer nachhaltigen Umkehr in der Klimaschutzfrage mit einer weiteren Verschärfung zu rechnen.

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