47 Jahre lang stand der Wolfsberger Reinhold Gutsche für Judosport auf höchstem Niveau. Nun hängt er den Kimono an den Nagel.

Kaum ein Sportler war seiner Disziplin so lange treu wie Reinhold Gutsche. 1974 trat er dem Judoclub Wolfsberg bei und strebte von Anfang an nach oben. „Mein Leben wurde hauptsächlich vom Judosport bestimmt, der mir nicht nur das Kämpferische, sondern auch die Achtung und Hilfsbereitschaft gegenüber Schwächeren beigebracht hat“, resümiert Gutsche. Dass dies nicht nur leere Worte sind, bewies er beispielsweise 1992, als er bei einem internationalen Turnier vor 6.000 Zuschauern für alle ersichtlich den Finalkampf gegen einen jüngeren Gegner absichtlich verlor, um ihm zum Titel zu verhelfen. „Er war zwölf Jahre jünger als ich und ein sehr guter Kämpfer. Man muss nicht immer alles mit Gewalt gewinnen“, erklärt Gutsche. Dennoch – sportliche Erfolge gab es genug. So viele, dass der Judoka schon längst die Übersicht verloren hat. Zu den Highlights zählen aber auf alle Fälle der österreichische Staatsmeistertitel 2014 und die Teilnahme an der EM in Glasgow im Vorjahr, wo Gutsche sein Ziel, den fünften Platz, knapp verfehlte.

Legendäre Auszeichnung
Seine bedeutendste Auszeichnung erhielt er aber erst dieser Tage. „Mein Trainer, Mentor und Mitbegründer des Judoclub Wolfsberg, Stefan Holzschlag, hat mir mit seinen 90 Jahren eine Bronzestatue für besondere Leistungen im Judosport überreicht“, freut sich Gutsche. „Er war für mich viel mehr als ein Trainer, sondern ein väterlicher Freund und hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Er hat mich viele Dinge gelehrt, die man auch im restlichen Leben braucht.“

Es geht weiter
Die letzten beiden Jahre war Gutsche auch im Training des Judoclub Wolfsberg unterstützend tätig, um die Kinder in sportlicher und mentaler Hinsicht zu fördern. Diesen Weg will er auch abseits des Judo weitergehen: „Da ich seit meinen 10. Lebensjahr im Schwergewicht gekämpft habe und mich mit dem Übergewicht sehr gut auskenne, könnte ich mir in Zukunft vorstellen, mit übergewichtigen Kindern ein Training zu gestalten, das bei Spaß an der Bewegung und bewusstem Essen ansetzt.“ Um die Zukunft des Judosports im Lavanttal macht er sich keine Sorgen: „Wir haben etwa zehn Kinder im Verein, die in fünf oder sechs Jahren Staatsmeister werden könnten.“

„Man muss nicht immer alles mit Gewalt gewinnen. Wichtiger ist es, Mensch zu sein.“ Reinhold Gutsche, Judo-Koryphäe

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