Tabuthema „Sternenkinder“: Die Villacherin Kerstin Giannakopoulos fotografiert Babys, welche vor oder kurz nach der Geburt sterben. Die Bilder helfen Eltern bei der Trauerarbeit.

Es ist eine schwere Aufgabe, der sich Kerstin Giannakopoulos stellt, vor allem als Mutter zweier gesunder Kinder. „Gerade deswegen will ich es machen. Ich bin dankbar für meine Töchter und möchte etwas zurückgeben“, sagt Giannakopoulos. Die 32-Jährige macht Fotos von sogenannten „Sternenkindern“, das sind Babys, welche als Totgeburt auf die Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben. Ein schwerer Schicksalsschlag für die Eltern. Und auch wenn die Zeit mit dem Kind nur sehr kurz oder gar nur stattgefunden hat, als es noch im Mutterleib war, möchten viele eine Erinnerung an die Tochter oder den Sohn. „2013 wurde in Deutschland die Organisation „dein-sternenkind.eu“ gegründet. Als Fotograf kann man sich hier bewerben, die Arbeit ist ehrenamtlich. Eine eigene Alarm-App zeigt an, in welcher Region betroffene Eltern einen Fotograf brauchen, dann muss man natürlich sehr schnell sein. Die meisten Einsätze sind derzeit noch in Deutschland“, so Giannakopoulos.

Tabuthema
Sie selbst habe sich lange damit beschäftigt, ob sie das könne – Babys zu fotografieren (ab der 14. Schwangerschaftswoche), die bereits verstorben sind oder nur noch wenige Stunden leben werden: „Es ist natürlich eine bedrückende Situation, auch ist das Thema „Sternenkinder“ für viele ein Tabuthema. Und natürlich sagen manche, es sei moralisch bedenklich, ein totes Kind zu fotografieren. Aber die Bilder helfen den Eltern, ihren Schmerz zu verarbeiten. Die Fotos kommen alle ins Archiv der Organisation, einige Mütter und Väter können sich die Aufnahmen etwa erst ein Jahr nach dem Tod ihres Kindes ansehen, wissen aber, dass sie eine letzte Erinnerung haben.“ Insgesamt arbeiten derzeit rund 600 Fotografen für dein-sternenkind.eu, in Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Vor allem für Österreich werden dringend Fotografen gesucht. Giannakopoulos selbst ist auf Umwegen zur Fotografie gekommen. „Interessiert hat es mich schon immer, ich bin aber gelernte Bürokauffrau. Mit der Geburt meiner zweiten Tochter war der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung aber so groß, dass ich mich als Fotografin selbstständig gemacht haben.“ Ihre große Leidenschaft ist es, Menschen zu porträtieren.

©Kerstin Giannakopoulos Fotografie