Gibt es die Midlifecrisis wirklich? Und wie geht man am besten mit ihr um? Wir haben bei der Wolfsberger Psychotherapeutin Michaela Okorn nachgefragt.

Die Lebensspanne von etwa 40 bis Anfang der 50er-Jahre ist eine turbulente Zeit. Erste körperliche und psychische Alterserscheinungen werden spürbar. „Verstärkt treten hohe berufliche Anforderungen, Aufgaben durch Kinder und Familie, laufende Kredite und Abnützungserscheinungen in der Partnerschaft auf. Der gern verdrängte Gedanke an die eigene Vergänglichkeit lässt Fragen über den Sinn des Lebens auftauchen“, weiß Michaela Okorn, die als Psychotherapeutin in der Herrengasse in Wolfsberg tätig ist. Zudem spielen biologische Faktoren mit. Während die Wechseljahre der Frau immer weniger tabuisiert werden, wird jene der Männer kaum zum Thema gemacht. Doch auch der männliche Körper verändert sich: Die Testosteronproduktion geht zurück mit Folgen auf Körper und Psyche.

Verlangsamung
Grundsätzlich ist die Midlifecrisis kein Grund zum Verzweifeln, sondern eine relativ „normale“ Entwicklungskrise. Wer gestärkt daraus hervorgehen will, muss seine eigenen Bedürfnisse kennen und ernst nehmen, um rechtzeitig zu spüren, wann es zu viel wird. Ein gesunder Lebensstil ist die beste Voraussetzung, doch Gesundheitsförderung sollte nicht nur den Körper, sondern auch die Seele einschließen. „Gesunde, stressarme Beziehungen stärken grundsätzlich für aufkommende Krisen. Es ist kein Zufall, dass Ratgeber boomen, die Verlangsamung, Innehalten und Kreativität zum Thema haben“, so Okorn.

Kein böses Erwachen
Die Midlifecrisis ist immer auch Anstoß zu überlegen, was im Leben wichtig und unwichtig ist. Ein kurzfristiger Kick, wie das oft zitierte schnelle Auto, das Fremdgehen oder ein auffallend jugendlicher Kleidungsstil– all das kann tatsächlich einen neuen Schwung bringen. „Die Frage ist nur, ob diese Aktionen nachhaltig zu echter Lebenszufriedenheit führen. Falls nicht, kann ein böses Erwachen folgen, eventuell mit finanzieller Verschuldung oder einer verlorenen Beziehung“, so Okorn. In bestimmten Fällen wäre die professionelle Hilfe einer Psychotherapeutin anzuraten: anhaltende Angst, Panik, Freudlosigkeit, Veränderung im Sozialverhalten, anhaltendes Grübeln, Schlafprobleme, vermehrter Alkohol- oder Drogenkonsum sowie körperliche Beschwerden, die nach ärztlicher Abklärung keine körperliche Ursachen haben, z B. Kopf- und Magenschmerzen, aber auch Streitereien in der Partnerschaft können auf eine echte, krankheitswertige Krise hindeuten.

Michaela Okorn arbeitet als Psychotherapeutin in Wolfsberg

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