Der „Lenzbauer“ geht in den Ruhestand, doch mit dem Wein geht es weiter. Gabriele Sudy und Walter Unterweger aus Klagenfurt übernehmen den Kärntner Pionier-Betrieb.

Der Weingarten von „Lenzbauer“ Hans Gritsch ist nicht einfach nur irgendein Anbaugebiet. Hier wurde Kärntner Weingeschichte geschrieben. Als damaliger Obmann des Kärntner Landesobstbauverbandes gründete Gritsch mit einigen weiteren Vordenkern einen Arbeitskreis, der sich intensiv mit dem Thema Weinbau beschäftigte. Daraus ging der Kärntner Weinbauverband hervor, der bis heute als Dachorganisation von rund 200 Kärntner Winzern fungiert. Die damaligen Bemühungen waren die Initialzündung für einen massiven Aufschwung des Kärntner Weins. Im Lavanttal gab es zwar vorher schon da und dort Weingärten, beispielsweise jene der Familie Gartner, die bereits seit den 1970er-Jahren bestehen, doch mit der Umwandlung einer 1,3 Hektar großen Himbeeranlage in einen Weingarten war Gritsch, der erste landwirtschaftliche Betrieb im Bezirk, der den Wein zu einem fixen Betriebszweig und damit zu einer Einnahmequelle machte. „In Folge sind viele weitere Weingärten entstanden“, erinnert sich der Lenzbauer. Er selbst baute seither mit einem durchschnittlichen Ertrag von 4.000 Liter die Weißwein-Rebsorten Rivaner, Traminer, Grauburgunder und Weißburgunder an.

Die Chemie stimmt
Nun war es Zeit für Hans Gritsch, ein neues Kapitel aufzuschlagen. „Ich bin jetzt 69 Jahre alt und habe immer versucht, möglichst innovativ zu sein, ob im Obstbau oder beim Wein. Nun möchte ich es etwas ruhiger angehen lassen und die Weiterführung des Weingartens in jüngere Hände legen“, erklärt Gritsch. Würdige Nachfolger hat er im Klagenfurter Lehrer-Ehepaar Gabriele Sudy und Walter Unterweger gefunden. Die beiden hatten mit dem Weinbau bisher wenig am Hut, hegten aber schon seit rund fünf Jahren den Traum vom eigenen Weingarten. „Ursprünglich wollten wir selbst einen Weingarten anpflanzen und quasi bei Null anfangen“, sagt Unterweger. „Wir haben im Raum Klagenfurt und auch in der Steiermark schon nach geeigneten Gründen gesucht. An das Lavanttal haben wir überhaupt nicht gedacht.“ Der Kontakt zu Hans Gritsch wurde auf der diesjährigen Gastro-Fachmesse in Klagenfurt über den Präsidenten des Landesweinbauverbandes Horst Wild geknüpft. Die Chemie zwischen dem alteingesessenen Weinbauexperten und seinen neuen „Schützlingen“ hat gestimmt. „Ich bin wirklich froh, dass es mir gelungen ist, gute Nachfolger zu finden“, freut sich Gritsch. „Ihre Intentionen sind die richtigen, denn als Winzer muss man Idealist sein. Wenn man diese Tätigkeit ausüben will, um möglichst viel Geld zu verdienen, ist man auf dem Holzweg.“

Erweiterung des Vertriebs
Für die beiden Nachfolger – obwohl im Dienstleistungssektor tätig – hat die Landwirtschaft generell einen hohen Stellenwert. „Unser Ziel ist es, auf nachhaltige Weise ein Produkt in extrem hoher Qualität herzustellen. Regionalität wird auch in Zukunft immer wichtiger werden“, erklärt Gabriele Sudy, die in ihrer Heimat, der Steiermark, selbst einen landwirtschaftlichen Background hat. Die Marke Lenzbauer wird wie erwartet erhalten bleiben, allerdings ist ein Design-Relaunch und die Erweiterung der Vertriebswege geplant. Unter anderem soll der Wein in Zukunft auch über einen Webshop zum Verkauf angeboten werden. Der Qualität des Produkts zuträglich ist sicher auch der fließende Übergang in der Bewirtschaftung, denn Hans Gritsch bleibt den beiden Neueinsteigern in Zukunft in beratender Funktion erhalten.

Hans Gritsch (l.) mit seinen beiden Nachfolgern Gabriele Sudy und Walter Unterweger

Auf rund 600 Meter Seehöhe werden in Vordergumitsch vier Weißwein-Rebsorten angebaut

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