Zumindest nicht aus rechtlicher Sicht. Geht es etwa um gemeinsamen Besitz, ist die Eheschließung oft die vernünftigste Entscheidung.

Die romantische Vorstellung, sich ineinander zu verlieben und bis ans Ende aller Tage in „wilder Ehe“ zusammenzuleben, weicht spätestens dann der Realität, wenn es um gemeinsames Eigentum geht. Der St. Pauler Notar Robert Mikulan kann davon ein Liedchen singen: „Es kommt immer wieder vor, dass unverheiratete Paare um Rat fragen, wie Besitz- und Erbschaftsverhältnisse vertraglich geregelt werden können, ohne gleich zu heiraten“, spricht Mikulan aus seiner über 35-jährigen Berufserfahrung. „Beispiel: Ein Paar baut gemeinsam ein Haus. Das Grundstück hat der Mann vom Vater geschenkt bekommen, er steht also im Grundbuch. Die Kosten für das Haus haben sich beide geteilt. Was geschieht, wenn der Mann plötzlich verstirbt?“ Natürlich ist es möglich, sich für solche Fälle rechtlich abzusichern – sowohl für den Fall der Auflösung der Lebenspartnerschaft durch Streit als auch durch das Ableben eines Partners.

Verträge oder Ehe?
Nicht als Absicherung geeignet ist das Testament, denn als einseitige Willenserklärung ist es jederzeit – zum Beispiel im Streitfall – änderbar. Das bedeutet jedoch nicht, dass man keines errichten sollte: „Ist kein Testament vorhanden, hat der Lebenspartner faktisch kein Erbrecht“, erklärt Mikulan. „Ist die Partnerschaft bis zum Ableben des Partners gut gelaufen, ist ein Testament Gold wert.“ Schon eher zur beiderseitigen Absicherung geeignet sind Verträge – zum Beispiel Schenkungs- und Übergabsverträge. Sie sind bindend und können nur einvernehmlich geändert oder aufgehoben werden. Allerdings ist das Aufsetzen solcher Verträge aufwendig und kostspielig. „Am Ende vieler ähnlich gelagerter Beratungsfälle mit nicht verheirateten Paaren erkennen die beiden Partner recht schnell, dass es wenig plausible Gründe gibt, nicht zu heiraten, besonders wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind“, sagt Mikulan. „Ich sage immer wieder: Wir können Verträge aufsetzen, die euch viel Geld kosten, oder ihr geht zum Standesamt und heiratet vergleichsweise günstig.“

Mietrechtsgesetz
Generell spielen Lebenspartner im ABGB eine eher untergeordnete Rolle. Ausdrücklich bevorzugt werden sie nur selten, ein Beispiel dafür ist das Mietrechtsgesetz. Lebt ein Paar gemeinsam in einer Mietwohnung und verstirbt der Hauptmieter, hat in diesem Fall der Lebenspartner das Eintrittsrecht – noch vor den Erben des Verstorbenen. Er tritt als neuer Mieter in den Mietvertrag ein.

Robert Mikulan, Notar in St. Paul

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