Die Wartezeit ist vorbei. Am Faschingssonntag ist es wieder soweit. Nach dem Tod der Gailtalbahn vor drei Jahren pfeift endlich wieder ein Zug im Oberen Gailtal – die Bosniaken kommen

Der bosnische Premierminister, so möchte der Obmann und zugleich Präsident der „Bosniakengilde Würmlach“ Christoph Zebedin angesprochen werden, hofft mit seinem Team wie Stellvertreter Johann Kollmitzer, Kassier Hannes Rauter und Schriftführer Josef Thurner, dass dieses Volksfest im Jahr 2019 wieder von Erfolg gekrönt sein wird.

Ein Dorf im Ausnahmezustand
Christoph Zebedin, der nach dem letzten Zug in die Fußstapfen von Ossi Winkler getreten ist: „Alle zehn Jahre passiert es. Es ist ein Ereignis, das alle Dorfbewohner an einem Strang ziehen lässt. Es ist ein Ereignis, das schon Monate vorher seine Schatten wirft, jeden im Ort in seinen Bann zieht und gegen Ende hin eine Dynamik entwickelt, die ihresgleichen sucht. Frauen, Männer, Jugendliche, Kinder setzen sich im großen und im kleinen Kreise zusammen, brüten Ideen aus, werkeln, binden Kränze, fertigen Hüte und Kleidungsstücke an, falten Papierblumen, bauen Loks und Waggons, schreiben Einladungen, gestalten Plakate, sitzen über Reden und Festschriften.

Als die Würmlacher zu Bosniaken wurden
„Die Niederschrift eines Altbürgermeisters bringt uns der Lösung dieses Rätsels näher“, erzählt David Kronabetter alias „Tindl junior“ über die Geschichte der Bosniaken: Anno 1878, zur Zeit der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina, waren auch zwei oder drei Soldaten aus Würmlach „dort unten“, wo aufgrund späterer Überlieferung „Dös verfluchten Bosniaken“ gefallen sein soll. 1909 setzte sich erstmals ein Zug also in Richtung Kötschacher Ortszentrum in Bewegung, als Reprise des Bahnbaues ins Obere Gailtal im Ersten Weltkrieg. Ossi Winkler: „Seit 1979 fährt im Zehnjahresabstand unsere Bosnische Eisenbahn mit den liebevoll und originell hergerichteten Waggons und Begleitwägen am Faschingssonntag vom Hauptbahnhof „Bosnien“ über den Südbahnhof Mauthen „Loncium“ zum Nordbahnhof „Pittersberg“ Kötschach, wo ein riesiger Empfang stattfindet. „Heuer gibt es übrigens einen Zwischenhalt am aufgelassenen Kötschacher Bahnhof zwecks Kranzniederlegung“ schmunzelt Premier Zebedin.

©Gerhard Schabus