Er ist Chef der Kärntner Montanindustrie sowie Vorsitzender des Katholischen Familienverbandes Kärnten und hat nun seinen 60. Geburtstag gefeiert. Der Schlossherr von Wolfsberg, Andreas Henckel von Donnersmarck, im Interview.

Eine Herausforderung im Alltag ist sicher die Größe des Gebäudes. An einem ganz normalen Tag gehe ich 6.000 bis 8.000 Schritte. Das sind sechs bis sieben Kilometer. Andererseits ist das große Raumangebot aber auch ein Vorteil. Dennoch ist der Wohnbereich, in dem ich mit meiner Familie lebe, vergleichsweise klein. Der öffentlich zugängliche Bereich des Schlosses, wo auch das Restaurant liegt, ist fast 1.000 m2 groß. Außerdem ist im Schloss noch die Verwaltung und die Direktion der Kärntner Montanindustrie untergebracht. Instandgehalten wird die Anlage von einem vierköpfigen Team unter der Leitung von Schlossmeister Thomas Hasenbichler, wobei wir bei Bedarf immer wieder Leistungen zukaufen müssen.

Bevor Sie mit Ihrer Familie nach Wolfsberg zogen, haben Sie viele Jahre in der Schweiz gelebt.

Das stimmt. Ich wurde zwar in Luxemburg geboren, bin aber in der Schweiz aufgewachsen. Hier habe ich die Schule besucht, mein Betriebswirtschaftsstudium in St. Gallen begonnen und es in der Schweizer Armee bis zum Hauptmann gebracht. Alles in allem habe ich rund 30 Jahre in der Schweiz verbracht. Mein Studium habe ich an der WU Wien beendet und danach u. a. in Sidney, Hongkong und New York Berufserfahrung gesammelt.
Erst kurz vor meiner Hochzeit mit Johanna (geb. Hohenberg) haben wir unseren Wohnsitz 1994 nach Wolfsberg verlegt. Unsere vier Kinder sind aber richtige Kärntner. Sie wurden allesamt in Wolfsberg geboren und haben hier die Schule besucht.

Wie wurden Sie in Wolfsberg aufgenommen?

Ich kann nur das Beste sagen! Der Einzug wurde uns sehr leicht gemacht und wir können und problemlos zurechtfinden. Die Bevölkerung, die Behörden und die Geschäftsleute sind uns sehr entgegengekommen. Natürlich, als Bewohner von Schloss Wolfsberg wird man unweigerlich als etwas „anderes“ angesehen, man ist immer „der, der im Schloss wohnt“. Das kann positiv sein, aber genauso negativ.

Sie sind dafür bekannt, besonders viel Wert auf die Institution Familie zu legen und arbeiten seit elf Jahren ehrenamtlich als Vorsitzender des Katholischen Familienverbandes in Kärnten.

Die Idee dahinter ist, dass auch Familien eine politische Vertretung brauchen. Wir bringen uns immer dann ein, wenn auf Landesebene Gesetze verabschiedet werden, die die Familien unmittelbar betreffen. Aktuell kämpfen wir beispielsweise für die Wahlfreiheit in der Kleinkindbetreuung. Politik und Wirtschaft drängen darauf, dass eine Frau, die ein Kind bekommen hat, möglichst rasch wieder arbeiten geht. Unsere Position ist, dass sie das machen kann, wenn sie möchte, aber sich nicht dazu gezwungen fühlen darf. Frauen, die ihre ein- und zweijährigen Kinder selbst betreuen möchten, sollten finanziell gefördert werden. Schließlich wird ja auch ein Krippenplatz mit 1.000 Euro pro Kind und Monat gefördert. Neben der politischen Einflussnahme bieten wir Beratungen, Vorträge und praktische Hilfen, wie etwa den Omadienst.

Graf, Herr Magister oder ganz ohne Titel, wie halten Sie es mit der Anrede?

In Österreich wäre es strafbar, sich selbst als Graf zu bezeichnen. Ich besitze aber keine österreichische Staatsbürgerschaft, sondern eine luxemburgerische und eine schweizerische. Aus Luxemburger-Sicht ist die Betitelung „Graf“ durchaus legitim, denn hier herrscht eine Monarchie. Im Alltag reden mich die Menschen üblicherweise mit „Herr Graf“ oder „Herr von Donnersmarck“ an. Mir persönlich sind all diese Anreden recht, meine Gesprächspartner können also frei wählen.

Die Kärntner Montanindustrie GmbH exportiert Eisenglimmer und andere Industriemineralien weltweit, wobei ihre Hauptabsatzmärkte in Italien, Deutschland, Südamerika, Asien und in den USA liegen

Geboren wurde Andreas Henckel von Donnersmarck in Luxemburg, aufgewachsen ist er in der Schweiz

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