Schimpftiraden von vermeintlichen Fußball-“Experten“ werden Unparteiischen zu viel. Verband sucht händeringend nach Schiedsrichtern für Nachwuchsspiele.

Machen übereifrige Eltern den Fußball kaputt? Fragt man Kärntens Schiedsrichter lautet die Antwort: Ja. „Unsere Schiedsrichter wollen sich nicht mehr von Eltern anfeinden lassen. Wir benötigen dringend Schiedsrichter, die die Nachwuchsspiele pfeifen“, sagt Schiedsrichter Gruppensprecher Alfred Wieser. An manchen Plätzen soll es besonders heiß hergehen. Hier soll es für die Schiedsrichter an Schimpfwörtern nicht mangeln. Gerade bei Müttern sollen die Emotionen bei Fehlentscheidungen durchgehen.

Un-Kultur am Rasen
Wieser weiß, wovon er spricht: Hansi Krankl und „Herbert „Schneckerl“ Prohaska – sie haben alle nach seiner Referee-Pfeife getanzt. Mehr als 40 Jahre hat Wieser am Referee-Buckel. Doch diese neue Schimpf-Kultur am Fußballplatz ist für den Klagenfurter neu. „Was sich heutzutage auf den Plätzen abspielt, ist nicht mehr normal. Manche Eltern beschimpfen die Schiedsrichter aufs Gröbste, jede Fehlentscheidung wird übermäßig kritisiert“, sagt Wieser, der nur noch Nachwuchsspiele pfeift und dessen Herz für den Nachwuchs schlägt. „Wer einmal das Hobby Schiri für mehr als ein Jahr für sich entdeckt hat, bleibt dabei“, weiß Wieser. Schiedsrichter im Nachwuchs zu sein, ist nicht leicht. Man muss auch körperlich fit sein. Das Spiel der jungen Kicker ist verdammt schnell geworden. Pro Nachwuchsspiel bekommen Schiedsrichter am Kleinfeld ein Entgelt von 18 Euro plus die Fahrtkosten. Hilfsschiedrichtern steht die halbe Spielleitergebühr zu.

Hilfsprojekt für Platz
Um dieser Negativentwicklung Herr zu werden, wurde vom Kärntner Fußballverband (KFV) in Kooperation mit dem Schiedsrichterkollegium das Projekt „Hilfsschiedsrichter“ ins Leben gerufen. Diese sollen neben den derzeit rund 180 aktiven Verbandsschiedsrichtern für einen geregelten Ablauf auf den Sportplätzen in Kärnten und Osttirol sorgen. „Wir orientieren uns dabei am Vorzeigemodell des Oberösterreichischen Fußballverbandes. Dort ließen sich bis dato mehr als 3400 Personen zum Hilfsschiedsrichter ausbilden“, sagt KFV-Präsident Klaus Mitterdorfer. Angesprochen werden sollen mit diesem Projekt Vereinsfunktionäre, aber auch aktive Spieler. Anmeldungen sind ab sofort beim Obmann des Kärntner Schiedsrichterkollegium Hartwig Gangl unter E-Mail hartwig.gangl@gmx.at möglich.

Kontroll-Verlust
Die Negativentwicklung können auch etliche Trainer bestätigen. „Viele Eltern haben sich nicht unter Kontrolle. Wenn es unter die Gürtellinie geht, brechen wir das Spiel ab“, sagt Christian Trappitsch. Für den ASK-Trainer fehlt es bei den Unparteiischen an Leidenschaft und Erfahrung. „Heute pfeifen viele, die wenig mit Fußball zu tun haben. Vielen mangelt es an Erfahrung. Nur das Regelbuch auswendig zu können, reicht nicht aus. Mit der Erfahrung kommt auch oder Respekt“, sagt Trappitsch. Auch ASKÖ-Köttmannsdorf-Nachwuchsleiter Martin Oblak bestätigt, dass „die jungen Schiris am Platz oft überfordert sind. Ihnen fehlt es häufig an Erfahrung.“ Woblak sagt auch, dass es „bis zur U10 mit dem Respekt funktioniert. Eine U17 zu pfeifen ist schwierig.“

Strenge ist gefragt
Beim Stichwort Respekt hakt Wieser ein: „Wenn ich am Platz bin, ist es still wie in einer Kirche. Eine gewisse Strenge ist vonnöten. Man muss energisch pfeifen.“ Eines muss der erfahrene Schiedsrichter zur Verteidigung der Unparteiischen abschließend sagen: „Wenn ein Stürmer aus einem Meter das Tor nicht trifft, macht das nichts. Aber wehe ein Schiedsrichter trifft eine Fehlentscheidung“.

Foto oben: Vor Schiedsrichter-Legende Alfred Wieser haben Zuseher Respekt. Seine jüngeren Schiri-Kollegen haben es am Platz schwerer
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KFV-Präsident Klaus Mitterdorfer: „Die Ausbildung zum Hilfsschiedsrichter ist kostenlos

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Das Schiedsrichterkollegium vom KFV hat bereits vor einem Jahr auf akuten Schiedsrichtermangel hingewiesen

KK