Im Rahmen unserer Serie „LEHRgendär“ stellen wir heute den Lehrberuf des Zimmerers vor. Lokalaugenschein beim Radentheiner Fertighausbauer Obweger.

Räumliches Vorstell un g s v e r m ö g en , mathematisches Geschick, eine Liebe zum Baustoff Holz und den berühmten „Anpack“, diese vier Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man sich für den Beruf des Zimmerers entscheidet.

König der Baustelle
Johann Griesser ist einer der beiden Obweger-Geschäftsführer und gleichzeitig Lehrlingsbeauftragter der Firma. Er sagt: „Ein Zimmerer ist immer der König auf der Baustelle. Er kann alles rechnen.“ Winkelfunktionen etwa seien ein „Muss“. Beim ersten Bewerbungsgespräch allerdings zähle laut Griesser vor allem das Interesse des jungen Menschen. „Im Gespräch erkennt man schon viel. Dann machen wir ein, zwei Schnuppertage, da sieht man, wo der Weg hingeht.“ Obweger Haus, einer der größten Fertighausbauer Kärntens, nimmt jedes Jahr einen Lehrling auf. „Vorzugsweise Schüler mit HTL- oder Litzlhoferfahrung, auch eine Landwirtschaft daheim kann nicht schaden“, wie Griesser präzisiert. Warum? „Weil dann der Anpack passt und wer den Litzlhof (eine landwirtschaftliche Fachschule in Lendorf, Anm.) besucht hat, der kennt sich auch mit Holz aus“, erklärt Griesser.

Mit Holz aufgewachsen
Tatsächlich besuchte etwa der 18-jährige Obweger-Lehrling Patrick Rauter (2. Lehrjahr) die landwirtschaftliche Fachschule in Lendorf. Der Radentheiner sagt uns: „Ich habe mich immer schon für den Werkstoff Holz interessiert.Wir haben daheim eine Landwirtschaft, da kann ichspäter vielleicht einmal selber
einen Stadel bauen, wir werden sehen.“ Der zweite Lehrling mit dem wir reden, kommt ebenfalls aus der Granat-Stadt und heißt Nico Erlacher (15). Trotz seines jugendlichen Alters weiß Nico schon genau, was er will: „Mit Holz arbeiten und ich freue mich auf die Baustellen.“ Im ersten Lehrjahr muss er allerdings noch mit der Fertigungshalle Vorlieb nehmen. Was sowohl Patrick als auch Nico verbindet: Ihre Väter sind Tischler. Sie wuchsen also mit Holz auf.

Mehre Ausbildungsschienen
Wie alle Lehrberufe befindet sich auch der des Zimmerers im Wandel der Zeit. Durch den Einsatz modernster Maschinen ist er körperlich weniger anstrengend. Wurde früher ein Dachstuhl noch händisch aufgehoben, erledigt solche Arbeiten heute ein Kran. Wurden komplizierte Konstruktionen einst 1:1 am Hallenboden aufgerissen,
kommt heute der Computer zum Zug. Wurden Häuser früher auf der Baustelle erstellt, werden heute Fertigteile angeliefert und in nur einem Tag vor Ort montiert – das fertige Eigenheim steht, im Falle von Obweger, dann binnen zwei Wochen. Aus diesem Grund wurde die Lehre des Zimmerers in den vergangenen Jahren um die Sparten
des Fertigteilhausbauers und des Zimmereitechnikers erweitert. Kombiniert man die Ausbildung zum Zimmerer
mit einem der beiden anderen Berufe, dauert die Lehre vier Jahre.

Weitere Infos zu Lehrberufen und Möglichkeiten gibt’s auch auf: www.lehre.ktn.gv.at
#LEHRgendär

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