Der Wolfsberger Facharzt für Dermatologie und Venerologie Johann Derhaschnig erklärt das richtige Vorgehen bei der Entfernung von Zecken.

Schönes Wetter, ab in die Natur! Doch auch das Vergnügen im Freien hat seine Schattenseiten in Form von unscheinbaren, aber nicht ungefährlichen Spinnentieren: Zecken übertragen Krankheitserreger – am häufigsten Borreliose-Bakterien. „Das Risiko der Übertragung steigt, je länger die Zecke am Wirt saugen kann“, erklärt Johann Derhaschnig. „Wird die Zecke innerhalb von 24 Stunden entfernt, ist die Gefahr einer Übertragung sehr gering.“ Das bedeutet: Wenn man eine Zecke bemerkt, sollte sie umgehend entfernt werden.

Pinzette oder Klinge
Zur Entfernung eignet sich beispielsweise eine spitze Splitterpinzette, mit der man den Blutsauger von der Seite direkt an der Einstichstelle und unterhalb unterhalb des Körpers packt und und zügig gerade herauszieht. Auf Drehbewegungen sollte verzichtet werden. Ähnlich funktionieren Zangenpinzetten, mit der man die Zecke ebenfalls möglichst hautnah greift und abhebt. Sollte man gerade keine dieser Werkzeuge zur Hand haben, kann diese Zangenbewegung auch mit den Fingernägeln erfolgen. Nach dem Entfernen kann es vorkommen, dass Stachel und Beißwerkzeug der Zecke aufgrund der vorhandenen Widerhaken im Körper verbleiben. Dies ist jedoch kein Grund zur Panik, denn „die Keime befinden sich im Körper des Insekts“, so Derhaschnig. „Verbleibende Beißwerkzeuge werden vom menschlichen Körper in der Regel nach ein bis zwei Wochen abgestoßen.“ Aus diesem Grund funktioniert auch die Entfernung von Zecken mit Hilfe einer scharfen Rasierklinge, mit der man den Körper des Parasits entlang der Haut von Beißwerkzeugen und Stacheln abtrennt.

Regelmäßig kontrollieren
Nach der Entfernung empfiehlt sich die Behandlung der Wunde mit Desinfektionsmittel. Danach sollte man die Stelle in Ruhe lassen und innerhalb der bevorstehenden 30 Tage regelmäßig kontrollieren. Entsteht eine runde oder ovale Rötung, die über Tage oder Wochen großer wird, sollte diese ärztlich begutachtet werden. „Verzichten sie auf die Behandung der Stelle mit Salben oder anderen Hausmitteln, denn sie kann die spätere Diagnose durch den Arzt erschweren“, rät der Facharzt.

Der Fachhandel bietet eine Vielzahl von Hilfsmitteln zur einfachen Entfernung von Zecken

Wussten Sie, dass…
– Zecken nicht beißen, sondern stechen?
– Zecken schon ab 7°C aktiv werden und damit Zeckenstiche auch im Winter auftreten können?
– Zecken ihren Opfern auf Blättern oder Grashalmen auflauern?
– Zecken nicht höher als 1,50 Meter lauern und Kinder daher besonders im Kopfbereich genau untersucht werden sollten?
– Zecken im Nymphenstadium mit freiem Auge kaum zu erkennen sind und Stiche deshalb unbemerkt vonstatten gehen können?
– Zecken oft mehrere Stunden brauchen, bis sie die perfekte Stelle zum Saugen gefunden haben und daher ein Dusche unmittelbar nach dem Aufenthalt in der Natur bei der Vermeidung von Bissen helfen kann?

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