Seit 30 Jahren ist der St. Pauler Josef Klingbacher als Architekt tätig. Im LAVANTTALER spricht er über Veränderungen und Modeerscheinungen im Einfamilienhausbau.

Wie beispielsweise die Mode ist auch der private Hausbau von Modeströmungen durchzogen. Auslöser und verstärkende Kräfte sind in vielen Fällen die Medien und die Kataloge der Fertighausfirmen. „Der Einfamilienhausbau ist mittlerweile zu gefühlten 80 Prozent vom Fertighausmarkt bestimmt. Daraus ergeben sich natürlich auch bestimmte Trends. Ein Beispiel ist das in eine Richtung geneigte Pultdach, das viele Jahre lange gefragt war“, so Klingbacher.

Von klein zu groß
Waren die Gebäude nach der Kriegszeit aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage sehr einfach und reduziert, ließ sich ab etwa Anfang der 70er-Jahre eine Tendenz hin zu immer größeren Häusern beobachten. „Vielleicht auch als Reaktion auf die kleinen, kompakten Häuschen der Nachkriegszeit wurde immer größer und größer gebaut, wobei dieser Trend mittlerweile zurückzugehen scheint und die Häuslbauer in Bezug auf Dimensionen wieder mehr Vernunft walten lassen. Brauche ich wirklich vier Schlafzimmer und eine Extrawohnung im Dachgeschoss?“ Für die Zukunft prognostiziert Klingbacher ein starkes Überangebot an bestehendem Bauvolumen: „Einerseits die Häuser, die zu groß gebaut worden sind, andererseits Gebäude, die aufgrund des Generationenwechsels leerstehen.“

Zeitalter des Chaos
Viele Menschen hegen den Wunsch, sich auch durch ihr Eigenheim vom Nachbarn abzuheben. Klingbacher: „Das Resultat ist eine teils chaotische Vielfalt an Farben und Formen. Durch den immer ausgeprägteren Verzicht von hochwachsenden Bäumen in den Gartenanlagen kommt dieses Gemenge in vielen Siedlungen noch stärker zur Geltung.“ Was uns jedoch in Zukunft weiterhin erhalten bleiben wird: Das breite Feld der Massivbauweise und der Holzbauweise mit all ihren Zwischenformen.

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