In einer Garage in Landskron entwarf Jens Peters einst die erste „Spidercam“ (Seilkamera). Nun sind zwölf Spidercams bei der WM in Russland am Start.

„In einer Garage entwickelt und später Weltmarktführer“. Was sich wie eine typisch amerikanische Erfolgsstory liest, geschah nicht in Übersee, sondern in Landskron bei Villach. Der Mann dahinter: der gebürtige Deutsche Jens Peters. Bis zum Jahr 1999 Angestellter im EDV-Bereich, hatte Peters die Idee zur Spidercam im Jahr 1997. Die Umsetzung des Prototypes erfolgte ab dem Jahr 2000.

Zwei Jahre Entwicklung
Peters erinnert sich: „Der Fußballclub Landskron war der nächstgelegene Sportplatz mit passenden Lichtmasten zur Installation und Erprobung der Spidercam-Prototypen. Motivation war die Chance ein Produkt zu entwickeln welches technisch machbar war, aber am Markt in Europa unbekannt war.“ Die Entwicklung eines präsentierbaren Prototyps dauerte rund zwei Jahre, im Herbst 2001 wurde beim „ Dolomitenmann“ in Lienz ein System erstmals eingesetzt, „allerdings völlig kostenlos für den Veranstalter“ wie Peters anmerkt.

Weg an die Spitze
Mit immer neueren, ausgefeilteren Modellen eroberte die Firma den Markt. Jens Peters: „Im Vergleich zum Prototypen sind die aktuellen Spidercams um bis zu zehn Sekunden schneller, verfügen über größere Aufspannweiten, bieten hochstabilisierte, wackelfreie Aufnahmen auch bei 12-fach Zoom, bieten eine virtuelle Grafik-Fähigkeit und die Bild- und Tonübertragung erfolgt per Glasfaserübertragung.“ Bei einer Weltmeisterschaft war man mit der Spidercam bereits im Jahr 2006 in Deutschland dabei. Dazu kommen Kameraeinsätze bei Olympischen Spielen, zahlreichen weiteren sportlichen Großveranstaltungen und Musikkonzerten wie etwa von Madonna oder den britischen Pop-Rockern Coldplay.

In Russland
Bei der WM in Russland werden zwölf Spidercam-Systeme (in jedem Stadion eine) dabei sein. Die Systeme wurden zu einem großen Teil von Mitarbeitern in der Firmenzentrale in Feistritz im Rosental auf den Einsatz vorbereitet. Pro Spidercam ist ein Team von drei Leuten (Pilot, Kameramann und Techniker) vonnöten.

Technischer Berater
Jens Peters steht dem von ihm gegründeten Unternehmen nach wie vor als Berater zur Seite. Sein Sohn Jan stieg 2010 in die Firma ein, war nach einer Einarbeitungszeit kaufmännischer Geschäftsführer und besetzt momentan die Position des „Director of Business Development“. In Russland zugegen wird keiner der beiden sein. Jens Peters: „Obwohl die WM ein großes Ereignis ist, haben wir parallel zu den zwölf Systemen in Russland noch 13 weitere Systeme im weltweiten Einsatz.“ Ohne hin gelte: „Die Arbeit der Spidercam-Anlagen kann man am besten im Fernsehen betrachten, da Großveranstaltungen fast immer live und in jedem Land übertragen werden“, so Jens Peters.

Über die Firma Spidercam
Die Spidercam GmbH hat ihren Firmensitz in Feistritz im Rosental. 35 Mitarbeiter werden beschäftigt, dazu kommen nochmal 100 Freelancer. Im Kalenderjahr 2017 setzte die Firma 12 Millionen Euro um. Spidercam gilt als Weltmarktführer unter den Seilkameraanbietern.

©Gert Steinthaler/Spidercam