Nach dem letzten Katastrophenjahr drohen beim Obst- und Weinbau auch heuer wieder schwere Schäden im ganzen Bezirk – allerdings nicht ganz so heftig wie 2016.

Verluste bei Stein- und Kernobst sowie bei Wein zwischen 80 und 100 % – der Quasi-Totalausfall von 2016 steckt den rund 200 Obstbauern und 15 Winzern des Tales noch in den Knochen. „Und auch heuer rechnen wir mit Frostschäden, wenn auch nicht ganz so schlimm wie im Vorjahr“, sagt Siegfried Quendler, Leiter des Obst- und Weinbauzentrums Kärnten in St. Andrä. „Weil die Kältephase diesmal kürzer andauerte, die Temperaturen nicht ganz so tief sanken und sich viele Obstbauern mit Frostschutzmaßnahmen zu helfen wussten, werden die Verluste ein wenig geringer ausfallen. Wir rechnen mit 30 bis 40 % Verlust bei Kernobst, 60 bis 70 % bei Steinobst, 50 % bei Erdbeeren und etwa 30 % beim Wein.“

Einflussfaktoren
Großen Einfluss auf die Schäden haben nicht nur die Frostnächte, sondern vor allem die Witterung vor dem Kälteeinbruch. Je weiter die Pflanzen in ihrer Entwicklung bereits fortgeschritten sind, desto dramatischer wirkt sich plötzlicher Frost aus. Ein Winter mit gleichmäßigen Temperaturen, wie wir ihn kürzlich erlebten, spielt den Obstbauern und Winzern also in die Hände. Auch die ausgeprägte Trockenheit hat den Austrieb der Pflanzen gebremst, weshalb der Frost nicht ganz so hart zuschlagen konnte. „In diesem Jahr konnten wir auch beobachten, dass Anbaugebiete in Hanglagen weniger schwer getroffen wurden. Die kalte Luft sammelte sich in Talsohlen und Senken, wo es bis minus 5 Grad hatte. In Höhen von 500 bis 700 Meter war es oft nur minus 1 Grad“, so Quendler.

Aufklärung
Vor allem bei Äpfeln und Birnen wird sich das ganze Ausmaß der Frostschäden erst etwa Ende Juni zeigen. Viele Obstbauern wiegen sich in falscher Sicherheit: Eine reichhaltige Blütenpracht ist kein sicheres Zeichen für reiche Ernte. „Öffnet man Blüten, kann man oft dunkelbraune Verfärbungen erkennen“, erklärt Quendler. „Sie zeigen: Diese Blüte wird kein Obst hervorbringen.“ Im Rahmen der Aktivitäten des Obst- und Weinbauzentrums will Quendler in Zukunft vermehrt Aufklärungsarbeit leisten: „Wir planen Informationsveranstaltungen zum Thema Frostabwehr.“

Hilfe durch Kerzen
Einer der Lavanttaler Betriebe, der sich bereits mit Maßnahmen zur Frostabwehr befasst hat, ist jener von Martina Lippitz im Granitztal. Hier wird seit 35 Jahren Obst und seit elf Jahren Wein angebaut. „Beim Wein und beim Intensivobstbau konnten wir mithilfe von 300 Anti-Frostkerzen große Schäden verhindern. Ich schätze den Verlust auf 30 %“, sagt Martina Lippitz. Doch die Kerzen sind mit etwa 10 Euro pro Stück nicht billig. „Wirtschaftlich hat sich das kaum ausgezahlt“, bedauert Martina. „Allerdings war es uns wichtiger, wieder eigenes Obst zu haben.“ Schlechter sieht es in der Streuobstanlage aus: „Hier haben wir versucht, mithilfe von Rauch eine Nebeldecke gegen die Wärmeabstrahlung zu bilden. Aufgrund unserer exponierten Lage war der Effekt allerdings gering.“ Die Folge: Totalausfall bei Apfelsorten wie Boskoop und Kronprinz Rudolf.

Paraffinkerzen konnten einen Großteil der Weinernte von Martina Lippitz retten

So sehen die Anti-Frostkerzen in Aktion aus

© KRM (großes Bild), © KK, © KRM