Das Leben eines Menschen kennt kein Drehbuch. Es ist individuell und folgt keinem Plan. Nur eines ist gewiss, es kommt die Stunde, in der der Vorhang fällt.

Damit niemand die Bühne alleine verlassen muss, gibt es Menschen wie Ursula Weiß-Wichert von der Hospizbewegung Kärnten – Team Spittal.

Der von der Diakonie de la Tour organisierte und selbstständige Verein teilt sich in ganz Kärnten auf – im Bezirk Spittal sind es vier Teams, die Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Die 30 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sind im Lieser-Maltatal/ Gmünd, Mölltal, Oberes Drautal sowie Spittal tätig.

Hospiz einst und heute
Viele verbinden mit dem Namen „Hospiz“ etwas Negatives, geht es doch um die Tatsache, dass ein geliebter Mensch bald von einem geht. Früher hingegen verstand man darunter etwas Positives. So war damit ein gastfreundlicher Ort – eine Herberge, die dem müden Wanderer ein sicheres Obdach bot, gemeint. Verändert man seinen Blickwinkel, stellt man schnell fest, dass ein Hospiz viel mehr ist, als ein Platz des Schreckens. Vielmehr handelt es sich um einen Ort der Ruhe und Geborgenheit, der Zuwendung und Mitmenschlichkeit.

Mobile Hospizbegleitung
Die freiwilligen und mitfühlenden Mitarbeiter des Spittaler Teams schenken Schwerkranken und Sterbenden Tag für Tag wertvolle Zeit und begleiten deren Angehörige durch die schwere Zeit. Als Ort der Liebe und Geborgenheit fungieren die Hospizbegleiter selbst, denn die Mitarbeiter sind mobil im Einsatz. „In erster Linie sind es Alten und Pflegeheime, die uns für Bewohner rufen, die viel alleine sind. Zunehmend suchen auch Kinder und Jugendliche, deren Eltern erkranken, unsere Dienste. Wir sind aber auch in Krankenhäusern oder bei den Betroffenen zuhause aktiv“, erklärt die Spittaler Teamleiterin Ursula Weiß- Wichert von der Hospizbewegung Kärnten.

Aufgaben
„Unsere Aufgabe besteht einfach gesagt darin, für Menschen in schwierigen Lebenssituationen da zu sein. Zuzuhören, gemeinsam zu singen, aber auch gemeinsam zu schweigen – wir gestalten den letzten Gang lebenswert und würdevoll – sei es für den Sterbenden selbst, für die Angehörigen, die oft überfordert sind, aber auch für (beeinträchtigte) Kinder und Jugendliche“, so Ursula Weiß-Wichert. „Wenn die Stunde zum Abschied nehmen dann tatsächlich naht, sind wir da, um dem Sterbenden im Augenblick des Todes die Hand zu halten“.

Ausbildung
Wer als Hospizbegleiter tätig sein möchte, muss eine Grundausbildung mit 80 Lehreinheiten absolvieren, die regelmäßig in den Regionen blockweise in sieben Modulen angeboten werden. Behandelt werden die Themen „Einführung in die Hospizarbeit – Selbsterfahrung“, „Kommunikation – Interdisziplinäres Palliativkonzept“,
„Spiritualität & Ethik“, „Validation“, „Demenz“, „Palliativ-Pflegerische Grundinformation“, „Medizinische Grundinformation“, „Angehörigenbegleitung/ Trauer in der Begleitung“, „Kindertrauer“, „Begleitung von Menschen mit Behinderung“ sowie „Juristische Grundinformation“. Das 40-stündige Praktikum in einem Altenheim komplementiert die Ausbildung.

Bereicherung
„Die Begegnungen mit Patienten und Angehörigen erreichen schnell eine Tiefe, eine Offenheit, wie ich sie früher kaum erlebt habe. Es kommt so viel zurück – oft ist es nur ein Blick tiefster Dankbarkeit“, so die Spittalerin.

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