Der viele Regen im Mai und Juni sorgt für geringe Honigernte, Auswirkung hat auch noch der Föhnsturm Yves vom Dezember 2017. Allerdings ist es ein gutes Zuchtjahr mit Erfolgen in Carnica-Königinnenzucht.

„Die Imker haben heuer 50 bis 60 Prozent Ernteausfall“, weiß Bezirksobmann Christian Osou. „In der Natur hat heuer die Haupttracht ausgelassen. Es hat keinen Spätfrost gegeben, deshalb konnten einige Imker etwas Blütenhonig ernten.“

Viel Regen
Beim Waldhonig schaut die Situation schlecht aus, verantwortlich sind mehrere Faktoren. Läuse, die sich an den Bäumen festsaugen, die Eiweißstoffe aufnehmen und den Zucker ausscheiden, bilden die Grundlage für den von den Bienen erzeugten Waldhonig. „Im Mai und Juni war es nur sechs Tage heiß. Der viele Regen hat einerseits die Läuse in der Entwicklung gehemmt bzw. sie einfach von den Bäumen gewaschen“, erklärt Osou. Auch der Föhnsturm Yves im vergangenen Dezember hat in den betroffenen Gebieten zur verringerten Lauspopulation beigetragen. Das heurige Honigjahr ist jedenfalls gelaufen: „Jetzt gibt es zwar einiges an Lauspopulation auf den Bäumen, aber die sind noch im Wachsen“, sagt Osou.

Gesundheit der Bienen
Die gute Nachricht ist aber: „Die Bienen sind gesund“, so der Carnica-Bezirksobmann. „Der Imker schaut, ob es den Bienen gut geht und in Situationen wie heuer werden sie zusätzlich gefüttert.“ In puncto Gesundheit weist er auf die Wichtigkeit der flächendeckenden Behandlung gegen die Varroa-Milbe hin: „Jetzt ist es höchste Zeit dafür – wer noch nicht mit der Behandlung begonnen hat, sollte es unbedingt machen. Denn wenn die Bienen gut gegen Varroa behandelt sind, gibt es auch keine Folgeerkrankungen, sie sind widerstandsfähiger.“

Premiumprodukt
Christian Osou rechnet damit, dass nach dem diesjährigen Ernteausfall der inländische Honigpreis „ein bisschen nach oben gehen wird. Allerdings war das aber schon länger fällig, denn hier wird ein weltweit einzigartiges Premiumprodukt erzeugt.“ Bienen sind von der Natur ganz auf die Erhaltung ihres Volkes ausgerichtet: „Die Biene lebt dafür, dass das Volk lebt. Ein Stock braucht ca. 80 kg Honig im Jahr selbst, der Imker erntet den Überschuss, der produziert wird.“

Gute Zuchtsaison
Die Zuchtsaison, die Anfang Mai gestartet ist und sich jetzt dem Ende nähert, ist laut Osou „heuer sehr gut. Wir vermehren die Völker für nächstes Jahr. Mit der Königinnenzucht haben wir große Erfolge gefeiert.“ An der Kärntner Imkerschule befinden sich rund 1.000 Zuchtkästchen mit Pflegevölkern. Neun Belegstellen für die Carnica-Reinzucht sind heuer in Betrieb.

Unterstützung & Motivation
Wie die Stimmung unter den Imkern aufgrund des schlechten Honigjahres ist? „Trotzdem positiv“, weiß Osou. „Wir hatten drei sehr gute Honigjahre. Für Jungimker ist es etwas frustrierender, aber wir schauen, dass wir sie gut motivieren können.“ Der Landesverband für Bienenzucht, bei dem auch Christian Osou tätig ist, bietet Grundkurse, Fortbildungen, Rat und Unterstützung an. Am 22. September findet in der LFS Goldbrunnhof der mittlerweile dritte Carnica-Schutzkongress, wieder mit namhaften Referenten, statt.

Faszination Bienenzucht
„In Kärnten gibt es ca. 3.500 Imker, Zahl steigend“, ist Osou erfreut. Im Bezirk Völkermarkt sind 16 Bienenzuchtvereine aktiv. „Bienenhalten ist eine Passion! Ich bezeichne es als ,Bienenvirus‘, der Hobbyimker erwischt“, sagt der Bezirksobmann lachend. „Die meisten fangen mit ein paar Stöcken an und dann werden es immer mehr. Es ist ein lebenslanger Lernberuf – wenn man die Grundkenntnisse hat, lernt man jedes Jahr Neues dazu. Es ist arbeitsreich und geistig fordernd, aber das beugt auch Alzheimer vor!“

Großes Foto oben: Bezirksobmann und Wanderlehrer Christian Osou bei Pflegevölkern in der Kärntner Imkerschule in Ochsendorf, Pischeldorf
© KRM

Bienen halten die Temperatur im Stock bei 34 Grad. Sie sammeln Wasser zur Kühlung und fächeln Luft zu – der Schwarm hier am Eingang bildet sozusagen gerade die „Klimaanlage“

Osou: „Die Carnica ist nie aggressiv beim Sammeln. Sie sticht nur, wenn sie gedrückt wird, oder bei Gefahr, wenn sie den Stock verteidigt.“
© KRM