Heuer kämpfen unsere Winzer mit dem zweiten kalten Saisonstart in Serie. Trotzdem ist man sich einig: Der Weinanbau in unserer Region hat Zukunft. Ans Aufgeben denkt hierzulande keiner.

Um herauszufinden, wie es um den Weinbau in der Region Villach wirklich steht, traf sich der DRAUSTÄDTER mit Alexander Egger vom Weingut Sternberg und Hobby-Winzer Josef Blümel aus Pöckau/Neuhaus.

Kein einfaches Unterfangen
Im Jahr 2014 wurden wir mit einem kalten Sommer konfrontiert. 2015 kam der Starkhagel. „Voriges Jahr freuten wir uns über den frühen Austrieb, der dann aber abgefroren ist. Auch heuer machte uns der Austriebsfrost zu schaffen. Trotzdem gehen wir zuversichtlich an das aktuelle Weinjahr heran. Vor ein paar Wochen haben wir unsere Reben mit Fackeln warmgehalten. Wir geben nicht auf“, so Alexander Egger vom Weingut Sternberg, der seit 2009 am eigenen Biobauernhof auf 3,5 Hektar seinen Wein anbaut.

Bio-Wein
„Unsere drei Kinder wachsen direkt bei den Reben auf. Schafe sind bei uns die natürlichen Rasenmäher. Da ist es klar, dass wir ausschließlich nach Biozertifizierungsrichtlinien spritzen!“ Bedeutet: Gespritzt wird am Gut Sternberg etwa Löwenzahn, Ackerschachtelhalm, Farne und Brennnessel. Das Ergebnis: Erstklassiger Sauvignon Blanc, Riesling, Traminer, Grauburgunder und frühroter Veltliner sowie Blauburgunder, Zweigelt, Rosé und Gamy für die Rotweinfans. „In unserer Region herrscht alpines Klima. Vom mediterranen und pannonischen Klima sind wir weit entfernt. Trotzdem hat dies auch Vorteile. Die typisch fruchtigen Weine unserer Region sind weit über die Landesgrenzen beliebt“, weiß Egger.

Kampf den Feinden
„Mir wurde mal gesagt, dass man Rotweinanbau hierzulande vergessen kann. Ich habe aber das Gegenteil bewiesen, baue auf meinem halben Hektar neben Sauvignon Blanc, Chardonnay und Weißburgunder auch Merlot und Zweigelt an“, so Hobbywinzer Josef Blümel aus Pöckau/Neuhaus. Im Vorjahr musste der pensionierte Weinliebhaber allerdings ohne Ertrag auskommen. Blümel: „Neben dem Frost und dem vielen Niederschlag machen uns in Kärnten auch Mehltau, andere Pilze und Milben zu schaffen. Mir geht immer das Herz auf, wenn eine Blüte kommt!“ Kollege Egger schützt seine Weinstöcke durch Netze, die zumindest Vögel und Wild fernhalten. Sein Ziel: „Ich möchte in zehn Jahren sagen können, dass sich alles ausgezahlt hat. Mein Traum wäre es, wenn eines meiner Kinder das Gut Sternberg übernehmen möchte. “

„Kärntner Weinbau hat Zukunft“
„Weinbau wird bei uns seit circa 20 Jahren betrieben, weshalb unsere Winzer noch viel zu lernen haben. Wirtschaftlich gesehen wird es sicher wenige geben, die davon leben können“, so Weinhändler Günther Jordan. Warum? „Dafür braucht man mindestens fünf Hektar, kann frühestens nach fünf Jahren ertragreich ernten und muss unser Klima zu nützen wissen. Für den Großteil wird es ein teures Hobby bleiben.“ Trotzdem ist Kärntner Wein auch in der Gastronomie gefragt. Jordan: „Restaurants und Hotels reißen sich um unseren Wein!“

oben: Alexander Egger vom Weingut Sternberg

unten: Hobbywinzer Josef Blümel aus Pöckau betreibt seinen Weingarten in Neuhaus bei Arnoldstein

© KRM/Kleinrath (2)