Das Standortkonzept 2020/2025 der Fachberufsschulen Kärnten ist beschlossen. Der St. Veiter Berufsschuldirektor Karl Maicher leitete die vom Land eingesetzte Kompetenzgruppe. Seine Schule verzichtet in Zukunft auf die Sparte Metalltechnik. Dem großen Ganzen wegen.

Seit 1984 ist Karl Maicher Berufsschullehrer. Seit 1999 Berufsschuldirektor. Einst entwickelte der HAK-Absolvent das nunmehr österreichweit salonfähige Konzept zur „Lehre mit Matura“(wir berichteten). Von Landeshauptmann Peter Kaiser wurde Maicher ab Jänner 2016 als Chef der Kompetenzgruppe zur Findung eines neuen Berufsschul-Standortkonzeptes eingesetzt. Ihm und seinem sechsköpfigen Team damit die Zukunft der Kärntner Berufsschulen anvertraut. Nicht ohne Grund: Maicher gilt als Mann der Tat. Er spricht Klartext. Und er kennt den Begriff des Kompromisses.

Worum es geht
Sinkende Schülerzahlen aufgrund schwacher Geburtenjahrgänge (minus 22 Prozent in sechs Jahren, Anm) und steigende Kosten für die Ausbildungsinfrastruktur. Bedeutet: Die einzelnen Lehrberufe müssen an möglichst wenigen Standorten gebündelt werden.

Neue Struktur
Die Folgen für die Fachberufsschule St. Veit: Bis 2020 Verlegung der Schlosserausbildung nach Wolfsberg. Bis 2025 Verlegung der Maschinenbautechnik nach Wolfsberg und der Prozesstechnik nach Villach. Im Gegenzug erhält man die Ausbildungslehrgänge EDV, Informatik, Mediendesign und Fitnessbetreuer. Alle von der Berufsschule Klagenfurt. Ebenso werden Bürokaufleute schwerpunktmäßig zukünftig in St. Veit ausgebildet. Diese Lehrberufe werden bis dato noch an drei Standorten (Villach, Wolfsberg und St. Veit) unterrichtet. In Zukunft nur mehr in St. Veit.

„Filet hergegeben“
Was die Schülerzahlen anbelangt, wird ein Anstieg von aktuell 885 auf 962 Lehrlinge zu verzeichnen sein. Ein Gewinner sei der Berufsschulstandort St. Veit jedoch keineswegs. Karl Maicher: „Oberflächlich betrachtet könnte man dies vielleicht meinen. Bei genauerem Hinsehen allerdings sieht man, dass wir unseren Beitrag gebracht haben um eine große Standortlösung zustande zu bringen.“ Maicher weiter: „Wir haben mit der Abgabe der Metalltechnik unser Filetstück hergegeben und dafür ein paar Koteletts erhalten.“ Hätte man so unnachgiebig agiert wie einige andere Schulorte, wäre laut Maicher „maximal eine kleine Lösung zustande gekommen.“ Dies wollte man jedoch unbedingt vermeiden. „Es muss endlich Ruhe in den Schulen einkehren.“

Ein Herzstück
Was die Metalltechnik für den Schulstandort St. Veit bedeutet, sieht man bei einem Gang durch die Werkhallen. 800 Quadratmeter an Maschinenwerkstätten, CNC-Labor, Handwerkstatt, Schweißerei, Elektrolabor, Messlabor sowie dem Hydraulik- und Pneumatiklabor stehen hier. In diese Räumlichkeiten werden mittelfristig Mediendesign und Co. einziehen. Der St. Veiter Fachberufsschullehrer Felizian Windbichler ist von der Umstellung betroffen, wird pendeln müssen. Selbst er meint: „Es musste so sein. Wir haben eine anständige Lösung gebraucht.“