Die Westbahnhoffnung Villach hilft Menschen in Not. Wir durften bei einem gemeinsamen Mahl dabei sein und uns mit Betroffenen unterhalten. Auch das Thema Obdachlosigkeit war Thema.

Es ist ein kalter Tag Ende November, die Draustadt ist leicht mit Schnee bedeckt. Wir haben einen Termin in der Westbahnhoffnung, dürfen uns mit den Leuten während dem Mittagessen unterhalten. Es gibt eine Suppe, Kartoffeln mit Sauce und Würstchen sowie eine Creme als Nachtisch. Das Thema „Obdachlosigkeit in Villach“ dominierte in den vergangenen Wochen die Medien. Auch nach der letzten Gemeinderatssitzung 2017 (Nächste: März 2018) gab es keine Mehrheit für eine Notschlafstelle für diesen Winter, der Bedarf sei nicht gegeben. Wir wollen wissen: Wer sind die Betroffenen? Gibt es Obdachlose in Villach? Gegründet wurde die Westbahnhoffnung im Jahr 2000 von Marjan Kac, 2007 übersiedelte man in den Westbahnhof. Der Verein hilft Menschen in Not, finanziert wird das Ganze hauptsächlich aus privaten Spenden, die meisten Mitarbeiter sind ehrenamtliche Helfer. „Zu uns kann jeder kommen, der Hilfe braucht“, erklärt Kac. Der Verein ist eine Tagesstätte. „Im Schnitt kommt zu uns alle zehn Tage jemand, der einen Platz zum Schlafen sucht. Ich würde es sehr befürworten, wenn ich die Leute irgendwohin schicken könnte“, so Kac. Die vielen, teils traurigen Schicksale berühren Kac. „Viele Klischees stimmen nicht. Etwa, dass alle Sozialschmarotzer sind. Bei den Betroffenen ist oft viel falsch gelaufen: Krankheit, Schicksalsschläge, Gewalt in der Kindheit… Und immer mehr: psychische Erkrankungen.“

Herr Kurt. Einer der „Stammgäste“ beim Mittagstisch ist Herr Kurt. Der 64-jährige Villacher kommt seit fast zwei Jahren in die Westbahnhoffnung. „Ich war zweieinhalb Monate ohne Wohnung. Es ist schrecklich, wenn du plötzlich deine Wohnung verlierst und nicht weißt, wohin. Ich habe unter der Brücke oder am Bahnhof geschlafen, im Winter. Da gehst du die ganze Nacht im Kreis“, erzählt Herr Kurt. Er habe alle Behörden besucht, aber anfangs habe er keine Hilfe erhalten. „Dann gab es für mich ein Zimmer – um 570 Euro, das konnte ich mir nicht lange leisten.“ Mittlerweile lebt der gebürtige Tiroler in einem Zimmer in Lind, 20 m² für 300 Euro. „Aufgrund der nicht vorhandenen Kochstelle kann ich nicht für mich selbst kochen. Außerdem habe ich mittlerweile schwere gesundheitliche Probleme, mir geht es nicht gut.“ Ein anderer Gast des Mittagstisches mischt sich in unser Gespräch ein: „Wenn du plötzlich auf der Straße stehst, dann gibt es seitens der Stadt keine Hilfestelle, keine Unterstützung. Die Leute hier würden sich wünschen, wenn der Bürgermeister vorbeikommen und uns anhören würde. Es stimmt einfach nicht, dass es in Villach keine Obdachlosen gibt.“ Auch Otto Helmuth, ehemals erfolgreicher Selbständiger, nimmt die Hilfe von Kac und seinem Team gerne in Anspruch. „Das hier ist nur eine Zwischenstation“, ist er sich sicher. „Der Verlust einer Wohnung kann so schnell gehen. Wenn du dann keine Leute hast, stehst du schnell mit dem Rücken zur Wand.“

Marjan Kac

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