Hilfsbereitschaft, Gutgläubigkeit oder auch Angst werden von gut geschulten Trickbetrügern und -dieben ausgenutzt, um Geld zu erbeuten. Hauptzielgruppe sind ältere Menschen, aber auch jüngere werden zu Opfern. Wichtig: Kritisch sein und die Polizei verständigen.

Sie sind auf der Straße, an der Haustüre, nutzen Telefon und E-Mail, um mit ihren Opfern in Kontakt zu kommen: Trickdiebe und Trickbetrüger. Die Maschen, mit denen sie Menschen einwickeln, um Geld zu erbeuten, sind vielfältig. Eines haben sie aber gemeinsam: „Die Täter sind sehr gut geschult. Sie beobachten genau und sind rhetorisch sehr überzeugend“, erklärt Rudolf Stiff, Leiter des Kriminalreferates am Bezirkspolizeikommando Völkermarkt.

Telefonbetrug
Aktuell tritt häufig Telefonbetrug mit angeblich offenen Geldbeträgen auf, die die Angerufenen mittels „Paysafecard“ begleichen sollen. Es werden z.B. Glücksspiele oder Waren aus einem länger zurückliegenden Zeitraum genannt. Rudolf Stiff erläutert: „Dabei üben die Täter Druck aus, drohen sogar mit Gerichtsverfahren und machen ihnen Angst. Gerade bei älteren Menschen haben sie mit dem Hinweis auf angebliche Schulden oder mögliche Probleme mit Behörden leider oft Erfolg.“ Speziell auf Senioren zielt der „Enkel- oder Neffentrick“ ab: Täter geben sich am Telefon als Bekannte oder Verwandte aus, lassen ihre Opfer nach dem Namen raten. Über die Mitleidsmasche wird dann um Geld gebeten. Abholen wird es allerdings ein „Bote“, da der vermeintliche Verwandte selbst „unglücklicherweise nicht kommen kann“.

Auflegen!
Hier gilt: „Sich nicht einschüchtern lassen, kritisch sein, abblocken, auflegen und die Polizei informieren“, sagt Präventionsbeamter Gerald Lipitz von der Polizei St. Kanzian. Auf keinen Fall Überweisungen tätigen, Bankdaten oder Geld herausgeben! In einem besonders dreisten Fall haben sich vor kurzem Betrüger als „Kriminalpolizei“ ausgegeben und eine Frau telefonisch dazu gebracht, Geld zu überweisen: „So etwas würde die Polizei nie machen!“, betont Stiff. Lieber einmal mehr Nachfragen als zu wenig, denn das Problem bei Trickbetrug ist: „Die Ermittlungen sind sehr schwierig, weil die Täter meist vom Ausland aus handeln. Deshalb ist die Prävention entscheidend.“

Mehrwertnummer-Abzocke
Die Polizei warnt auch vor sogenannten „Ping-Anrufen“: Das Telefon läutet nur einmal, was den Angerufenen zum Rückruf verleiten soll. Ruft man zurück, landet man in der Warteschleife einer kostenpflichtigen Mehrwertnummer. „Meist sind es ausländische Telefonnummern. Bei unbekannten Nummern sollte man generell vorsichtig sein und nicht zurückrufen“, so der Kriminalreferent.

Schnell wird zugegriffen
Wird man auf der Straße von Fremden angesprochen und z.B. um eine Auskunft gebeten, immer vorsichtig sein und vor allem auf Abstand achten! Trickdiebe sind darauf trainiert, blitzschnell nach Handtasche, Geldbörse etc. zu greifen. An der Haus- bzw. Wohnungstür sind Betrüger sehr einfallsreich, um ins Innere zu kommen und Wertsachen zu stehlen. Deshalb: Keine unbekannten Personen einlassen, auch nicht, wenn sie angeben, einen gemeinsamen Bekannten zu haben. Wenn jemand um ein Glas Wasser bittet und Sie helfen möchten: Türe absperren, Wasser holen und hinausreichen. Falsche Handwerker und Putz-Angebote sind ebenso möglich wie Mitarbeiter von Ämtern und Behörden – letztere sind normalerweise angekündigt und Beamte haben Ausweise. Wenn Sie Zweifel bei unangemeldetem „Behörden“-Besuch haben: Beim betreffenden Amt anrufen und sich die Angaben bestätigen lassen. Bekommen Sie keine Bestätigung, gleich die Polizei am Notruf 133 verständigen.

Foto oben: Die Polizei im Bezirk setzt auf Prävention und Information bei Trickbetrug und -diebstahl. Am Foto (von rechts): Kriminalreferent Rudolf Stiff, Gerald Lipitz und Stefan Igerc. „Die Dunkelziffer ist gerade bei diesen Delikten extrem hoch. Sehr viele Fälle werden nicht angezeigt, weil sich die Opfer schämen“, weiß Rudolf Stiff
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