Seit Sommer wird in der „Willroider-Passage“ abgestraft. Sprayer Gernot Pollak fordert mehr Flächen, gerade auch für junge Künstler. Suche nach legalen Alternativen läuft.

„Kärnten verzeichnet seit Jahren die stärkste Abwanderungstendenz unter Jugendlichen, Gründe dafür sind u.a. einseitige Angebote bzw. fehlende Förderung im kulturellen Bereich“, sagt der Villacher Graffiti-Künstler Gernot Pollak. Lange Jahre wurde das Sprayen in der „Willroider-Passage“ geduldet, 1998 fand hier die erste Graffiti-Veranstaltung in der Draustadt statt. „Ab dem Kirchtag gab es erste Anzeigen und Platzverweise“, so Pollak. Er und andere Sprayer-Kollegen verstehen das überraschende Verbot nicht, der Villacher startete daraufhin eine Online-Petition. „Mittlerweile haben wir 1300 Unterschriften. Auch mit dem Bürgermeister gab es ein konstruktives Gespräch – mit Anfang Oktober sollte es eine Lösung, sprich eine Alternative zu dieser Wand geben. Bislang weiß ich aber von nichts“, sagt Pollak. Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Die Stadt ist derzeit auf der Suche nach geeigneten Flächen für Street-Art-Projekte. Weiters gibt es eine „legale“ Wand beim Wirtschaftshof, dort kann spontan geübt werden. Wer darüber hinaus Ideen für Projekte hat, beim Jugendbüro melden: 04242/2053430. Wildes Sprayen kann die Stadt nicht akzeptieren, dabei handelt es sich um Sachbeschädigung.“

Unsichtbar. „Illegal zu sprayen ist nicht unsere Intention“, betont Pollak, aber: „Es gibt immer ein paar schwarze Schafe. Die Angst, die vorherrscht, ist, dass eine Wand verunstaltet wird. Gerade legale Wände werden nie beschmiert, sobald wir so etwas sehen, malen wir darüber.“ Im Raum Villach gibt es laut Pollak rund 15 Sprayer, die regelmäßig malen. Die legale Fläche beim Wirtschaftshof ist der Szene natürlich bekannt. „Aufgrund der Lage widerspricht diese Wand aber dem Graffiti-Grundgedanken. Gerade junge Sprayer wollen gesehen werden. Das ist ein integraler Bestandteil der Graffiti-Kultur. Hinter dem Wirtschaftshof kommt kaum jemand vorbei.“ Als Sprayer in Villach habe man zu wenig Plattform. Pollak: „In Klagenfurt gab es jahrelang entlang der Rosentaler Straße eine legale Wand, das ist ideal. Durch die fehlenden Möglichkeiten gibt es in Villach wenige junge Sprayer. Aber gerade Junge finden durch diese Art von Malerei oft zur Kunst. In Klagenfurt gibt es aktuell sechs legale Wände. Durch diese Möglichkeiten sieht man ganz andere Entwicklungen der Künstler, einige sind Preisträger des Kärntner Kunstpreises. Wenn man junge Menschen anzeigt, anstatt sie zu fördern, fördert man damit nicht gerade das Kulturgut der eigenen Stadt.“

Projekte. Aus dem Rathaus wird auf bereits gelungene Kooperationen mit der Sprayer-Szene verwiesen, etwa die Gestaltung bei der Draubrücke beim Wasenboden oder die Gestaltung der Lind-Unterführung durch eine Jugendgruppe (läuft derzeit). Dazu Pollak: „Es ist gut, dass etwa das Drau-Graffiti gemacht wurde, dadurch wird der Blick auf diese Kunst vielleicht auch freundlicher. Aber wir als Villacher Szene haben davon wenig.“ Wände, die zur Legalität frei gegeben werden, kann sich Pollak einige vorstellen: „Wunderschön wären Teile der Drauperme. Durch eine so präsente Wand würden wir uns nicht ausgeschlossen fühlen und könnten einer provinziellen Stadt wie Villach einen urbanen Charakter einhauchen.“

Foto: © KRM