Zwischen Aufbruchstimmung und fehlendem Gemeinschaftsgefühl: Das Kardinalviertel hat seine Schwächen erkannt, kämpft aber mit hemmenden Blockaden.

In einem Punkt sind sich Viertelagenturleiterin Beatrice Bednar und Wirtschaftsreferent Markus Geiger einig: Einfach ein paar Millionen in das von Leerständen geplagte und von Verwahrlosung bedrohte Kardinalviertel zu pumpen, ist zu wenig. Zweiter Punkt: Das Viertel braucht Zeit, um zu wachsen. Wie der KLAGENFURTER bereits mehrmals berichtet hat, wurde am östlichen Rand des Stadtkerns die Agentur Nonconform beauftragt, eine Analyse und ein Konzept zur Belebung dieses Stadtteils zu entwickeln. Die Stadt hat daraufhin vor etwa einem Jahr die Viertelagentur, eine Anlaufstelle zur Vernetzung von Anrainern und Unternehmen des Kardinalviertels installiert.

Tiefgarage als Barriere
Ein springender Punkt, in dem sich Anrainer und Politik einig sind: Man sieht vor lauter Autos den Kardinalplatz nicht mehr – eine weitere Nutzung des Platzes ist kaum möglich. Im Konzept von 2017 sollen Kardinalplatz und Kardinalschütt als Veranstaltungsort bzw. Bühne mehr genutzt werden. Das Zünglein an der Waage für eine weitere Umgestaltung ist die Tiefgarage am Kardinalplatz – genauer gesagt die Rampe am Kardinalplatz. „Der Umbau des Platzes hängt von der Tiefgarage ab. Zur Zeit sind wir in Verhandlungen mit dem Eigentümer der Tiefgarage am Kardinalplatz. Die Größe der Parkplätze in der Tiefgarage ist für Autos nicht mehr ausreichend. Da muss eine neue Lösung her. Wir haben immer wieder interessierte Firmen, die sich ansiedeln wollen und im gleichen Atemzug sagen, dass sie Parkplätze für ihre Mitarbeiter benötigen“, sagt Geiger. Eigentümer Karl Dermuth war trotz mehrmaliger Nachfrage für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Durch die neue Tiefgarage soll Parkraum geschaffen werden. Geplant ist eine Tiefgarage, die sich auf einer Fläche unter dem Platz erstreckt.
Umbruch nach Dirndl

Gemeinschaftsgefühl muss wachsen
Seit mehreren Monaten wurde ein Pop-up-Store in den Räumlichkeiten der Viertelagentur in der Paradeisergasse 18 initialisiert. Zweite Mieterin ist Modedesignerin Gabi Urabl mit ihrem Dirndlmodeunternehmen Dirndlherz. Urabl sieht die Lage im Viertel mit gemischten Gefühlen – spricht dessen Schwächen klar an. „Ich habe eine Fotoserie mit meinen Dirndl gemacht und die ortsansässigen Händler dabei eingebaut und sie auf allen sozialen Kanälen verlinkt. Keiner der Händler hat es der Mühe gefunden, auf die Beiträge zu reagieren oder sich bei mir zu bedanken. Das Engagement des Klagenfurter Wirtschaftsservices und die Initiative zur Belebung des Kardinalviertels ist aber toll“, sagt Urabl. Ende Oktober läuft die Zeit im Pop-up-Store ab. Urabl wird ihre trachtig-moderne Unicatcoutoure einige Häuser weiter in den Räumlichkeiten des ehemaligen Uhrengeschäftes „ZEITgemäß“ in der Paradeisergasse 3 eröffnen.

Private Investitionen
„Wir beobachten, dass von privater Seite in die Bahnhofstraße investiert wird. Auch ein Haus in der Salmstraße wurde saniert“, sagt Bednar. Auf der neu gestalteten Webseite kardinalviertel.at wird u. a. ein Unternehmer der Woche vorgestellt. Das Viertel greift bei der Gestaltung der Website auf eigene Ressourcen zurück – die Grafik stammt von Grafiker „Major Tom“ Ogris und die Fotos von Studiohorst. Damit das Kardinalviertel mehr Attraktivität erlangt, wurde eine neue Weihnachtsbeleuchtung von der Stadt aufgestellt. Die Bäume in der Bahnhofstraße werden bei der neuen Weihnachtsbeleuchtung in Szene gesetzt. In der kommenden Adventszeit soll das Kardinalviertel als Kunstlicht-Viertel erstrahlen.

Modedesignerin Gabi Urabl hat mit Dirndlherz im Pop-up-Store Schwung in das Kardinalviertel gebracht

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Statt 20 Bäume werden bei der neuen Weihnachtsbeleuchtung 80 Bäume in der Bahnhofstraße beleuchtet

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Über die Rechte zur Nutzung dieser Rampe am Kardinalplatz verhandelt die Stadt mit dessen Eigentümer

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