Rund 360 Fischotter gibt aktuell in Kärnten. Sie fressen zwischen 66 und 132 Tonnen Fisch pro Jahr. Schaden: mehrere Millionen jährlich. Eine dramatische Entwicklung, vor allem für Kärntens Fließgewässer.

Die aktuellen Bestandszahlen entstammen aus dem Endbericht zur Lage des Fischotters in Kärntner Fischgewässern der Universität Graz. „Es geht klar hervor, dass der Fischotterbestand in Kärntner Fließgewässern einen guten Erhaltungszustand aufweist“, sagt Eduard Blatnik, Landesobmann der Kärntner Fischereivereinigung. „Wir haben in einigen Fließgewässern teilweise 90 Prozent Ausfraß. Es ist höchste Zeit, unverzüglich den Fischotterbestand zu reduzieren.“ Besonders betroffen sind Flüsse wie die Görtschitz, die Gurk und die Lavant. Für Kärntens Fischzüchter und Fischgewässerbetreiber kommt aber schon die nächste Hiobsbotschaft: In den nächsten dreieinhalb Jahren ist eine Verdoppelung des Bestandes prognostiziert.

70 % weniger Lavant-Fische
Während Fischzüchter sich zumindest in einigen Fällen mit Elektrozäunen zu helfen wissen, erhöht dies den Fraßdruck auf Kärntens Naturgewässer. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Ulrich Habsburg-Lothringen. Er bewirtschaftet 23,4 Hektar Fischwasser, davon 80 % Lavant, aber auch den Eitweger Bach, einen Teil des Waldensteiner Bachs und einige Teiche. „Der Fischbestand in der Lavant hat sich seit 2009 um 70 % verringert“, klagt Habsburg.

160.000 Euro Schaden
Der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich. 2009 habe er noch 32 Jahreskarten an Angler verkauft, 2017 waren es nur noch drei. „Der Schaden beträgt nur an meinen Gewässern mittlerweile 160.000 Euro in den letzten drei Jahren. Wer soll das bezahlen?“ Wie es in Zukunft weitergeht, weiß auch Habsburg-Lothringen nicht: „Ich besetze schon seit zwei Jahren keine Fische mehr. Mir wurde von Experten empfohlen, auf den Besatz zu verzichten, um den Fischotter auszuhungern. Gebracht hat es bis jetzt nichts.“ Denn wie der Marder ernährt sich auch der Fischotter vielseitig: Gibt es keine Fische mehr, jagt er Frösche, Mäuse, aber auch Singvögel und größere Vögel. Er ist ein Überlebenskünstler.Habsburg-Lothringen nimmt vor allem die Landesregierung in die Pflicht: „Wir geben viel Geld für Renaturierung und Fischaufstiegshilfen aus – nur gibt in vielen Bereichen kaum noch Fische, denen das nützt.“

Ausnahmeregelung in Aussicht
Von Seiten der Politik hat sich vor allem die FPÖ für die Entnahme von Fischottern ausgesprochen: „Eine maßvolle Fischotter-Regulierung ist ein Gebot der Vernunft. Der Zusammenhang zwischen dem dramatischen Rückgang des Fischbestandes und der starken Zunahme des Fischotters ist so eindeutig, dass man die Realität nicht ignorieren kann“, ließ der Kärntner Jagdreferent Gernot Darmann verlautbaren und kündigte ein Ausnahmeregelung an, die die beschränkte Entnahme von Fischottern in der Forellen-und Äschenregion ermöglichen sollte. Wenig Freude mit diesen Plänen haben die Kärntner Grünen: „Die geplante Verordnung ist aus mehreren Gründen EU-rechtswidrig. Denn der Fischotter ist durch die FFH-Richtlinie streng geschützt. Ausnahmen vom Abschussverbot kann es nur geben, wenn der günstige Erhaltungszustand gegeben ist und alle anderen Maßnahmen zum Schutz der Fische nicht wirken. Der Fischotter kann Fischpopulationen nicht ausrotten, weil dann müsste er selber verhungern. Otter und Fische stehen in der Natur in einem ökologischen Gleichgewicht“, schrieb Grünen-LAbg. Michael Johann.

Historisches
Der Fischotter erobert sich zusehends seine alten Lebensräume in Kärnten, Krain und der Steiermark zurück. 72 Fischotter wurden in der Steiermark im Jahr 1885 erlegt, was pro Abschuss einem Gebiet von 335 km2 entspricht. Auch in Kärnten und Krain wurde damals der Fischotter bejagt – und verwertet! Dabei wurde nicht nur das Fell verwendet, auch das Fleisch des Otters diente als beliebte Fastenspeise.

Häufig kommt es vor, dass Fischotter ihre Beute nur teilweise fressen und den Rest liegen lassen. Im Bild: die Reste einer Äsche, gefunden bei der Eisenbahnbrücke in St. Paul
Gewässerbewirtschafter Ulrich Habsburg-Lothringen spricht von 70 % Bestandsrückgang in der Lavant

Eduard Blatnik, Landesobmann der Kärntner Fischereivereinigung, fordert die unverzügliche Reduzierung des Otterbestandes in Kärnten