„Lebzelter, Metsieder und Wachszieher“ ist ein alter Lehrberuf, der heute nur noch selten vorkommt. Die Familie Stöckl in Bleiburg pflegt die Tradition.

„Der Lebkuchen ist ein Ganzjahresprodukt“, antwortet Gottfried Stöckl lachend, wenn man die süße Köstlichkeit vor allem mit dem Wiesenmarkt und der Weihnachtszeit in Verbindung bringt. In Bleiburg setzt er die rund 200-jährige Familientradition fort, übt in vierter Generation das Gewerbe „Lebzelter, Metsieder und Wachszieher“ aus, in dessen Mittelpunkt wertvolle Bienenprodukte stehen: „Den Honig verwendet man für die Lebkuchen, die Wachswaben für das Wachsziehen sowie geschleuderte Waben und geschleuderten Honig für den Met.“

Fließende Grenzen
Drei Jahre Lehrzeit hat der Beruf „Lebzelter, Metsieder und Wachszieher“, der heute allerdings in dieser Form kaum noch ausgeübt wird. „Die Grenzen – Lebzelterei, Konditorei und Bäckerei – sind heute sehr fließend, wenn es sie überhaupt noch gibt“, weiß Stöckl. Die Konditorei kam in dem Bleiburger Familienbetrieb in den 30er Jahren dazu: „Der Großvater hat Konditorwissen aus Wien mitgebracht, da war teilweise auch der Lebkuchen dabei“, erzählt Gottfried Stöckl.

Geschichte
Stöckl besitzt eine „Zunftordnung“ aus dem Jahr 1653. „Meister durften früher nur alle sechs Jahre einen Lehrling ausbilden. Lehrlinge hatten treu und gehorsam zu sein und durften sich nicht an unehrenhaften Orten herumtreiben“, zitiert er Auszüge von damals. Das „Lehrgeld“, das zu zahlen war, wenn man den Betrieb verlies, betrug mehrere Jahresgehälter. Früher war die Kirche ein wichtiger Kunde: „Pfarrer haben auf Postkarten ihre Bestellungen geschrieben und wenn man zum jeweiligen Kirchtag gefahren ist, hat man den Kerzen-Jahresbedarf mitgebracht“, erzählt Stöckl. Der Aspekt, dass früher Steuern und Kirchenabgaben mit Wachs anstatt Geld bezahlt werden konnten, verdeutlicht den hohen Wert des Wachses.

Tradition leben
Die Familie Stöckl verkauft auch heute noch ihre selbst hergestellten Waren auf verschiedenen Kirchtagen und Märkten. Hauptveranstaltung ist der Bleiburger Wiesenmarkt, für den Stöckl jedes Jahr den traditionellen „Wiesenmarkt-Met“ herstellt, der nicht wegzudenken ist. In den 50er-Jahren wurde der Betrieb am Hauptplatz komplett umgebaut, das Kaffeehaus ist dazugekommen. Gottfried Stöckl hat seine Ausbildung im heimischen Betrieb absolviert, 1995 hat er ihn übernommen. Die noch immer voll funktionsfähige Wachszieher-Werkstätte mit dem Kupferkessel für die Met-Herstellung ist heute ein Museum, in dem der Hausherr auf Anfrage Gruppen bei Führungen in die Kunst des alten Handwerks eintauchen lässt.

Großes Foto oben: Die „Taferl“ oder „Dotterstangerl“, eine Art süßer Zwieback, fertigt Stöckl noch für einige Kirchtage an
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Gottfried Stöckl beim Kneten, Ausrollen und in die Form füllen des „Honigbrot“-Teiges, ein Lebkuchenteig ohne Gewürze

Wachszieher: Früher wurden neben Kerzen viele Votivgaben aus Wachs gefertigt, einige Beispiele sind im Café ausgestellt
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