Nachdem die Firma Schwing 2017 den Innovations- und Forschungspreis des Landes Kärnten gewann, ist sie nun als eines von sechs Unternehmen auch für den „Staatspreis Innovation“ nominiert.

Besonders auf komplexen Baustellen stehen ausführende Betriebe immer wieder vor dem Problem der Betonförderung in entlegene Winkel. Seit den 1960er-Jahren werden dafür üblicherweise Systeme verwendet, bei denen die Auslegerstücke (Arme) der Betonpumpe über Hebel und Hydraulikzylinder gefaltet werden. Das Problem: Diese Knickbewegung ist nur bis zu einem gewissen Öffnungwinkel möglich, weshalb man in der Praxis bisher mit Einschränkungen leben musste. „Wir haben uns gefragt: Könnte man anstatt der konventionellen Hebelkinematik einen neuartigen, unendlich drehenden 360-Grad-Motor entwickeln?“, erklärt Geschäftsführer Horst Jöbstl. Ein ähnliches Produkt gab es zu dem Zeitpunkt weltweit noch nicht – und auch die Literatur für die angestrebten Bewegungsprinzipien fehlte komplett. Darum musste das in St. Stefan befindliche Kompetenzzentrum für Klasse-1-Stahl- und Maschinenbauteile quasi bei Null beginnen. Einen starken Partner für das ambitionierte Vorhaben fand man in der Technischen Universität Graz. „Es waren intensive Forschungsarbeit sowie Grundlagen- und Steuerungsuntersuchungen notwendig“, so Jöbstl.

Drei Jahre Entwicklung
Ende 2017 war es soweit: Nach drei Jahren Forschungs- und Konstruktionsarbeit erblickte der erste 360-Grad-Schwenkantrieb für Autobetonpumpen das Licht der Welt. Der Name der Erfindung: Direct Drive. Die Vorteile sind überzeugend: Der Betonmast ist deutlich flexibler einsetzbar als bisherige Systeme. Die mit dem Antrieb ausgestatteten Armelemente des Betonpumpen-Auslegers können völlig neue Bewegungen ausführen und selbst Punkte weit abseits des Betonpumpenfahrzeugs rasch, sicher und indiviuell je nach Baustellensituation anfahren.

Die Vorteile
„Der Anwendungsbereich ist viel breiter gefächert als bisher“, so Jöbstl. „In der Praxis bewährt sich der Direct Drive vor allem in anspruchsvollen Baustellensituationen. Wo man früher Betonpumpen mit verschiedenen Faltsystemen brauchte, um die gewünschten Stellen zu erreichen, genügt nun unser Direct Drive.“ Er kombiniert die Vorteile verschiedener Faltsysteme in einem. Das bringt sowohl Zeit- als auch Kostenersparnis. Der Einsatz ist hochrentabel.

Bestätigung für den Erfolg
Das Innovationspotential des Direct Drive wurde bereits im Vorjahr erkannt. Die weltweit einzigartige Konstruktion gewann den Innovations- und Forschungspreis des Landes Kärnten 2017 in der Kategorie Großunternehmen. Am 22. März steht nun die Verleihung des „Staatspreises Innovation“ in Wien an. Nominiert sind sechs Unternehmen, zwei davon aus Kärnten. „Alleine, für diesen Preis nominiert zu sein, ist die Bestätigung für den Erfolg dieses Projekts“, freut sich Jöbstl. „Wir waren immer davon überzeugt, mit Direct Drive ein zukunftsreiches Vorhaben durchzuführen. Die Nominierung für den Staatspreis untermauert das.“ Aktuell ist man im Hause Schwing damit beschäftigt, weitere Anwendungsbereiche für die neue Technologie zu erforschen.

Durch ein völlig neuartiges hydraulisches Bewegunsprinzip können die Auslegerelemente der Betonpumpe komplexe Bewegungen vollführen
Entwicklungsleiter Reinhold Gracner, Innovationsspezialist Johann Schabelreiter, Projektleiter Karlheinz Morolz, Monteur Mario Brenner, Konstrukteur Markus Wabnegger, die Monteure Thomas Baldauf und Wolfgang Klemel, GF Horst Jöbstl, Mess- und Regelungsingenieur Daniel Kriegl (v. l.)

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