Drastische Abwanderung bei den Bevölkerungszahlen im Bezirk. Wir sprachen mit den Bürgermeistern aus St. Veit/Glan, Straßburg und St. Georgen/Längsee. Investitionen im Millionenbereich werden aufgegriffen.

In der beschäftigungsrelevanten Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen sagt die Prognose der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) aus dem Jahr 2014 (es ist die aktuellste regionale Prognose zur Bevölkerungsentwicklung, Anm.) ein Minus von knapp einem Drittel voraus.

Starke Verluste
In dieser Altersgruppe sollen laut Statistik im Jahr 2020 im Bezirk St. Veit 31.850 Personen leben, 2075 nur mehr 21.309, ein Minus von 33 Prozent oder 10.541 Einwohnern. Allgemein sieht die Statistik in der Periode zwischen 2020 und 2075 einen Schwund der St. Veiter Bevölkerung um 21,5 Prozent. Von 53.736 Einwohnern im Jahr 2020 auf 42.185 Personen im Jahre 2075. Glaubt man dem Rechenmodell, verliert St. Veit innerhalb von 55 Jahren jeden zweiten Einwohner. Wie derlei Statistiken einzuschätzen sind? Der ST. VEITER fragt bei Volkswirtschaftsprofessor Norbert Wohlgemuth, der gleichzeitig Geschäftsführer des Kärntner Instituts für Höhere Studien ist, nach. „Grundsätzlich sind solche Langzeitmodelle mit Vorsicht zu genießen.“ Dies vor allem deshalb, weil zukünftige Migrationsschübe nicht statistisch erhoben werden können. Allerdings, so Wohlgemuth: „Eine Tendenz können derlei Rechenmodelle durchaus aufzeigen.“

Herzogstadt setzte Zeichen
„Uns tut es natürlich um jeden Bürger leid, den wir verlieren. Gottseidank kann man bei einem Rückgang von 0,26 Prozent oder 33 Einwohnern nicht wirklich von einer Abwanderung sprechen. Die Stadt St. Veit versucht auf mehreren Ebenen, gegen diesen Trend anzukämpfen. Das wären zum einen der intensive Wohnbau und das leistbare Wohnen – auf der anderen Seite geht es uns um die Stärkung der Wirtschaft. Alleine durch die Ansiedelung von Möbelix, H&M sowie die Erweiterung des REWE-Zentrums im Industriepark entstehen weit über 100 Arbeitsplätze. Ein weiterer Punkt ist die entsprechende Infrastruktur wie Kinderbetreuungseinrichtungen, Ganztagsschule, ein attraktives Angebot an höheren Schulen sowie moderne Betreuungseinrichtungen für unsere älteren Bewohner. Diese Bemühungen werden wir in Zukunft intensivieren und ausbauen, um weiterhin eine lebenswerte Stadt zu sein“, so Bürgermeister Gerhard Mock.

Straßburg investiert
Bürgermeister Pirolt investiert in seine Stadt: „Wir stellen eine zeitgemäße Infrastruktur her. Gemeint sind z.B. eine ganztägige Kinder- und Jugendbetreuung von 6 bis 17 Uhr auch in den Ferien und eine moderne Schulanlage. Außerdem stellen wir Bauflächen deutlich unter ihren Marktwert für Familien zur Verfügung und unterstützen mit einer Jungfamilienförderung. Voriges Jahr investierten wir 700.000 Euro ins Straßburger Wegenetz und jährlich kommen rund 150.000 Euro dazu. Ein weiterer Punkt ist das Freizeitangebot. Hier flossen bei Kinderspielplätzen 450.000 Euro hinein. Das ist nur eine kleine Übersicht an Punkten, die wir gegen eine Abwanderung unternehmen. Wir machen unsere Stadt weiterhin lebenswert!“

Vorbild St. Georgen/Längsee
„Lt. Statistik Austria ist unsere Gemeinde eine Zuzugsgemeinde. Im Jahr 2016 haben wir einen Bevölkerungshöchststand in der Zeitreihe. Wir forcieren bei uns die Errichtung von mehrstöckigen Wohnbauten, die Infrastruktur – beinhaltet Straßen, Trinkwasser und das Breitbandnetz – und haben einen hohen Standard in der Kleinkindbetreuung in Zusammenarbeit mit den Pfarrkindergärten und bei den Volksschulen. Außerdem wird eine hohe Freizeitqualität mit beispielsweise dem Strandbad, dem Naturschutzmanagement, Wandermöglichkeiten und Kulinarik geben. Auch Vereine, Feuerwehren, Pensionistenverbände und vieles mehr werden von unserer Gemeinde gefördert und aktiv unterstützt“, so Bürgermeister Konrad Seunig.

Konrad Seunig, Bürgermeister St. Georgen
Zuwanderer für St. Veit gesucht
© St. Georgen/Längsee, KRM (2)