Im Herbst wird mit der Beseitigung der Altlasten der ehemaligen Lederfabrik Neuner in Klagenfurt begonnen. Auf 11 Millionen Euro wird die Entsorgung geschätzt: 80 Prozent davon werden vom Steuerzahler bezahlt.

Stacheldraht, meterhohe Mauern, die nicht durchblicken lassen, und Warnungen vor Videoüberwachung mit der Androhung einer sofortigen Anzeige: Das Neuner Areal in Klagenfurt mit einer Fläche von 64.000 Quadratmetern ist absolutes Sperrgebiet. Aber das soll sich ändern. „Es soll Wohnraum geschaffen werden. Derzeit laufen Gespräche mit der Stadtplanung. Das Ziel ist es, einen Mehrwert für die Stadt Klagenfurt zu schaffen“, verrät Porr-Pressesprecherin Sandra Bauer exklusiv dem KLAGENFURTER. Wie dieser „Mehrwert“ aussehen soll, lässt der neue Besitzer nicht durchsickern. Seit Sommer 2017 ist die Porr der Eigentümer der Liegenschaft K22 „Lederfabrik Dr. Hans Neuner“ in Klagenfurt. Die Gesamtsanierungskosten werden derzeit auf rund elf Millionen Euro geschätzt. „80 Prozent der förderungsfähigen Kosten werden vom Bund getragen. Die restlichen 20 Prozent muss der Projektwerber aufbringen“, sagt Landesrätin Sara Schaar. Ende des Sommers bzw. spätestestens im Herbst 2018 soll mit den operativen Arbeiten begonnen werden. Ende 2019 soll das Projekt abgeschlossen sein

Öffentlichkeit sucht Raum
Über den Kaufpreis wird geschwiegen – wahrscheinlich nicht ohne Grund. Denn derzeit ist das Neuner Areal als Industrieland gewidmet. Es muss zur weiteren Nutzung zu Bauland umgewidmet werden. Dass 65.000 Quadratmeter Bauland um einiges mehr wert sind als Industrieland, leuchtet ein. „Wenn öffentliches Geld für dieses Projekt aufgewendet wird, muss es dementsprechend großzügige öffentlich zugängliche Flächen aufweisen“, sagt Gemeinderat und Architekt Elias Molitschnig (Grüne). Auf Nachfragen des KLAGENFURTERS heißt es seitens der Porr: „Die Stadt wünscht sich eine sinnvolle und attraktive Neugestaltung des Geländes. Geplant sind der Rückbau der alten Gebäude und die Sanierung von zum Teil vorhandenen Altlasten.“ Molitschnig schwebt ein Projekt wie das „Butcher District“ in Kopenhagen vor. Dabei handelt es sich um ein Trendviertel, in dem früher Fleisch verarbeitet wurde. Trendige Galerien, Ateliers, Studios von Fotografen, Designern und Filmemachern haben im „Butcher District“ in Kopenhage neben Restaurants und Szenebars eine neue Heimat gefunden.

Teilweise Sanierung
Für Molitschnig steht eine Frage bei der Neu-Nutzung des Neuner-Areals im Vordergrund: „Wie schafft man es, den Altbestand in ein neues Projekt zu integrieren?“ Hier verweist er auf die Baukulturellen Leitlinien des Bundes, in denen explizit vorgegeben ist, dass aus Bestehendem etwas Neues geschaffen werden muss, die Bedürfnisse der Menschen einbezogen werden müssen und dass Baukultur Wissen schaffen muss. Ein Schleifen von alter Substanz, wie es beim Knoch-Areal geschehen ist, ist für den Gemeinderat ein „Auslöschen der kulturellen Identität“. Dass sämtliche Gebäude am Areal geschliffen werden, verneint die Porr.

Reicht das Geld?
Weitere Fragen stellen sich unweigerlich: „Wie verseucht ist der Boden wirklich und werden elf Millionen Euro ausreichen? Die Antwort darauf wird sich wohl erst nach der Altlastensanierung beantworten lassen können. Wer neugierig ist, kann sich auf www.umweltbundesamt.at/umweltschutz/altlasten einen detaillierten Überblick zur „Altlast K 22 Lederfabrik Neuner“ verschaffen.

Auf einer Fläche von 65.000 Quadratmetern soll auf dem Gelände der ehemaligen Neuner Fabrik „Wohnraum mit Mehrwert“ entstehen

 

KK

Noch ist das ehemalige Neuner Areal Sperrgebiet…

Diese Darstellung zeigt die drei schwer belasteten Bereiche und wie weit die Kontamination in den Boden reicht 

© Umweltbundesamt