Der KLAGENFURTER war bei der Lift-Bergeübung der Klagenfurter Bergrettung vom Aussichtsturms des Pyramidenkogels.

Es ist 9 Uhr morgens, prachtvolles Herbstwetter und ausgezeichnete Fernsicht. Auf dem Aussichtsturm am Pyramidenkogel in Keutschach stehen 16 Bergretter der Bergrettung Klagenfurt in voller Montur bereit. Sie werden gerade eingewiesen, wie die Luke am Liftdach geöffnet werden kann. Klingt einfach, ist es aber nicht. „Die Luke kann nur von oben geöffnet werden und ist dreifach abgesichert. Das ist TÜV-Vorschrift“, sagt Lifttechniker Daniel Huber von MB Mechatronik, der den Lift für die Übung vorbereitet und die Übung technisch begleitet.

Mittendrin statt nur dabei
In die Opferrolle schlüpfen die Klagenfurter Pensionistin Heidrun Roth und KLAGENFURTER-Redaktionsleiter Stephan Fugger. Er schildert die Bergung aus seiner Sicht: „Wir besteigen den Lift auf der Höhe der Rutsche. Es geht ein kurzes Stück abwärts und in rund 33 Metern Höhe wird der Lift zum Stillstand gebracht. Heidrun Roth und ich bewahren Ruhe. Für sie ist es das zweite Mal, dass sie das Opfer spielt.“

Einsatzkräftig
So abwegig ist dieses Szenario nicht. „Wir wurden zu zwei Einsätzen gerufen. Der Lift konnte beide Male aber wieder zum Fahren gebracht werden“, sagt Einsatzleiter Kurt Müller von der Bergrettung Klagenfurt. Nun kann man sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn 20 Personen bei 36 Grad Außentemperatur im Lift stecken bleiben. Die Feuerwehr kann nicht zum Turm. Nur die Bergrettung Klagenfurt verfügt über das Wissen und Können, die Menschen aus dem steckenden Lift zu bergen.

Geborgen
Ein Zwei-Bein, das die Retter mitgebracht haben, wird vor der Liftöffnung aufgestellt. Dadurch seilen sich die Bergretter Laura Wirth und Christoph Lukan zu uns ab. Oben wird das Zwei-Bein mehrfach gesichert. Laura öffnet die Luke und reicht uns eine Aluleiter, erkundigt sich nach unserem Gemütszustand und Heidrun Roth begibt sich auf das Dach des Liftes. Sie wird gesichert, bekommt ein Geschirr angeschnallt und es geht hoch.

Über den Wolken
Rund drei Minuten später, bin ich an der Reihe. Christoph und Laura sind ruhig – jeder Handgriff sitzt. Ich muss in eine Bergeschlaufe steigen und werde mehrfach mit Seilen und Schlaufen gesichert. Dann geht es mit mir wieder aufwärts. Per Flaschenzug, der mit Manneskraft gezogen wird, werde ich zehn Meter höher in den Lifteingang gehoben. Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Man pendelt leicht und kann die Aussicht auf ganz ungewohnte Weise genießen. Aber ich fühle mich sicher. Ich schaue auf den Parkplatz, die Kirche Maria Wörth, die Schlangeninsel, die Karawanken, hänge an zwei Seilen und denke mir: „Zum Glück leide ich nicht an Höhenangst.“ Auf den letzten Metern werde ich von einem Bergretter empfangen, der mich mit den Worten „Ein bisserl blass schaust aus“, begrüßt. Aber sonst geht es sehr ernst zu. Wird ein Handgriff falsch gemacht, kann das fatale Folgen haben. Rund 15 Minuten hat es gedauert, bis meine Begleiterin und ich gerettet wurden. Die Erleichterung ist uns beiden ins Gesicht geschrieben. Wir bedanken uns bei unseren Rettern, sind froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Appell
„Ich möchte an dieser Stelle an Arbeitgeber und Politik appellieren, dass sie für unser Engagement Verständnis hat. Wir sind 365 Tage im Jahr 24 Stunden Einsatzbereit“, sagt Müller. So ist es auch schon vorgekommen, dass die Bergrettung Klagenfurt am 24. Dezember ausgerückt ist. Ein spektakuläres Video der Bergung ist auf der KLAGENFURTER-Facebookseite zu sehen.

© KRM und Bergrettung Klagenfurt