Stadtplanung schreibt Großprojekt „Brain@Work“ am Viktringer Ring Sichtachse zur Stadtpfarrkirche vor. Der KLAGENFURTER hat Günter Wald von der Stadtplanung getroffen und mit ihm über den Zusammenhang von Macht und Architektur und Achsen gesprochen

Wer hat Angst vorm großen Investor-Mann? Die Klagenfurter Stadtplanung anscheinend nicht. Im Gegenteil: In den Köpfen von vielen Klagenfurtern geistert ein Bild von Investor Franz Orasch von der Lilihill Capital Group, der die Stadt auf Biegen und Brechen verändern will, während die Stadtpolitik kleinlaut zusieht. Diesem Vorurteil widerspricht Georg Wald von der Abteilung Stadtplanung: „Mit einem Großinvestor wie Franz Orasch arbeitet man auf Augenhöhe. Unsere städtebaulichen Vorgaben werden von den Architekten umgesetzt. Die Erfahrung, dass Franz Orasch der prominente Mann ist, der alles diktiert, habe ich nie gemacht.“

Planungsvorhaben
Derzeit trägt das Projekt am Viktringer Ring, für das das ehemalige KTZ-Haus abgerissen wird, den Namen Brain@Work. Auf der Westseite des Gebäudes in der Kaufmanngasse ist ein Kaffeehaus mit Sitzgarten geplant. Eine Versicherung wird laut Stadtplanung den überwiegenden Teil der Büros nutzen. Im Studentenheim soll Platz für 140 Betten sein. Im ersten Stock des Bildungshauses ist ein Vortragssaal geplant. Platz für Autos wird es in einer zweistöckigen Tiefgarage geben. Die auf der Nordseite befindliche und 50 Meter lange Einfriedungsmauer wird erhalten bleiben. Derzeit befinden sich entlang der Mauer mehrere Gebäude. In Zukunft soll die Mauer frei stehen. Der Investor noch nicht bereit sich zu den Bauplänen zu äußern: „Wir warten erst die Verhandlung ab. Bevor die Verhandlungen abgeschlossen sind, wollen wir nicht an die Öffentlichkeit.“

Sichtbare Motive
Die Stadtplanung hat z.B. auf die Einbindung eines Erkers bestanden. „Ein großer Stadt-Erker wird bewusst auf die Ost-Seite des Gebäudes gesetzt“, sagt Wald. Der Erker ist nämlich ein wiederkehrendes Motiv im Stadtbild – ein Klagenfurter Alleinstellungsmerkmal. Die bekanntesten Erker befinden sich im Rathausgebäude und im Rainerhof-Haus am Neuen Platz. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass das Gebäude aus städtebaulicher Sicht auf die Stadtpfarrkirche orientiert ist. Übrigens: Nur das Wohnhaus in der Priesterhausgasse verstellt in Klagenfurt die Sicht auf die Stadtpfarrkirche. Dieses Wohnhaus hat in den 50er-Jahren für vehemente Diskussionen bei der Klagenfurter Stadtpolitik gesorgt.

Wirkweise
Auch auf die psychologische Wirkung des Gebäudes wurde Einfluss genommen. Beim alten KTZ-Haus herrschte strenge Symmetrie mit dem vorspringenden Mittelrisalit. Bei einem Risalit handelt es sich um einen hervorspringenden Gebäudeteils. „Wir wissen, dass Hitler und Goebbels ihre großen Gebäude streng axial gebaut haben. Das sollte den Bürger klein erscheinen lassen und Macht verkörpern“, erklärt Wald. Beim neuen Projekt ist diese machteinflössende Symmetrie nicht gegeben. Die Interpretation des neuen Mittelrisalites bezieht sich auf die St. Ruprechter Straße.

Lebendige Fassade
West- und Ostseitig neben dem Brain@Work befinden sich zwei historische Bauten – rechts das Hermagoras-Haus und links ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, in dem jetzt die Schulpsychologie untergebracht ist. Hier soll es zu einer Neu-Interpretation einer Loch-Fassade kommen. „Die Anreihung der Abfolge der Fenster ist nicht regelmäßig. So wirkt die Fassade lebendiger“, erklärt Wald.

Stadtplaner Günter Wald zeigt auf die Sichtachse zur Stadtpfarrkirche, die erfüllt werden muss

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Das Stadtgebiet von Klagenfurt ist von 40 wichtigen Bezugsachsen geprägt. Im Süden ist es der Blick auf den Stadtturm in der 10.-Oktober-Straße

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