Park-Moral in Klagenfurt suboptimal: Doch das Anti-Falschpark-Imperium schlägt –
in Form von Parkmahnern – zurück. Stephan Fugger

Die Einträge über das Verhalten auf Klagenfurts Parkplätzen in der Elternkommunikationsgruppe auf Facebook lesen sich wie Schilderungen aus dem wilden Absurdistan: „Ein Auto mit zwei jungen Männern stellte sich neben mir auf einen Familienparkplatz in den City Arkaden. Als ich sie darauf hinwies, beschimpften sie mich aufs Gröbste.“, „Letztens beim Ikea, musste ich es sogar fotografieren, denn sowas hab ich noch nie gesehen: Eine Frau um die 55 mit ihrer Tochter um die 30ig (denk ich)… beide Handy in der Hand, hat sich mit ihrem Mini zwischen zwei parkende Autos, die auf dem Familienparkplatz standen, ganz schief, wie es sich halt ausging, reingestellt und war verwundert, als ich sie fragte, was das soll…“ Sogar öffentlich bedroht werden Eltern: „Bei McDonalds habe ich einen Mann am Ausparken behindert, weil ich in der McDrive-Kolonne stand. Dieser riss (neben seinem kleinen Sohn) meine Türe auf und brüllte mich an. Ich hatte ehrlich Angst! Seitdem wird das Auto sofort versperrt“.

Disziplin ist gefragt
Der KLAGENFURTER hat vor Ort in den City Arkaden Klagenfurt recherchiert: Dasselbe Bild: Jasmin Kulterer hievt ihre zweijährige Tochter Helena-Maria in den Maxi-Cosi. Die Klagenfurterin musste sich umparken. Kulterer: „Zwei junge Mädchen stiegen ohne Kinder aus dem Auto aus. Zum Glück kontrolliert die Security, ob wirklich die richtigen Menschen auf den Parkplätzen halten.“ Michaela Weiss und Lena (1 Jahr) sind froh, dass sie noch einen freien Familienparkplatz erhascht haben. Weiss kennt die Problematik. 21 Familienparkplätze stehen den Gästen der City Arkaden zur Verfügung. Diese werden wie die Behindertenparkplätze laufend von den Securities kontrolliert. „Was aber schwierig ist. Da man ja oft keinen Kindersitz sieht, wenn die Kunden einen Maxi-Cosi mitnehmen“, sagt City Arkaden-Manager Ernst Hofbauer auf telefonische Anfrage. Wer falsch parkt, wird in den City Arkaden aufgerufen. Die „Ertappten“ – egal, ob auf Behinderten- oder Familienparkplatz reagieren empört. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie man hier von den Falschparkern beschimpft wird“, sagt Hofbauer. Strafen werde es aber keine geben, versichert Hofbauer.

Gegenstrategie
Klagenfurterin Daniela Murero hat es aufgeben, Falschparker auf ihr Fehlverhalten anzusprechen. Auch sie wurde schon bedroht. Ihre Gegenstrategie: Zettelchen, die auf bescheidene Parkkünste hinweisen. „Eine unserer Arbeitskolleginnen hat vor Jahren einen dieser Zettelchen bekommen. Sie war empört. Ich war begeistert und habe sie kopiert und teile sie seitdem aus“, sagt die Physiotherapeutin. Für die Mutter von zwei kleinen Kindern ist es die einzige Möglichkeit, um „Aufklärungsarbeit“ zu leisten. Der KLAGENFURTER hat bei der Wiener Verkehrspsychologin Dr. Christine Chaloupka-Risser nachgefragt. „Für manche ist das Fahrzeug, wie eine vergrößerte Außenhaut. Man fühlt sich bedroht, denn das Fahrzeug ist wie eine vergrößerte Außenhaut. Diesen Teil seiner Persönlichkeit will man sich nicht ankratzen lassen. Wird man öffentlich an den Pranger gestellt, ist es klar dass man seinen Fehler nicht eingestehen will“, so Chaloupka-Risser. Wie soll man nun reagieren? „Keinesfalls die Situation weiter aufschaukeln lassen. Man sollte den anderen dazu bringen, sich in seine Situation hineinzuversetzen.“

Großes Bild:  Michaela Weiss und Lena (1 Jahr) vor dem Familienparkplatz in den City Arkaden

Die zweijährige Helena-Maria weiß: Hier darf ich mit Mama parken

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Dieses Bild macht deutlich, wieso Mamas wie Michaela Weiss auf einen Familienpark angewiesen sind

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