Während sich der Raum mit warmer Luft auflädt, steigt einem der Geruch von Erde in die Nase. Es ist still – wahrzunehmen ist bloß das knisternde und lodernde Feuer im Brennofen.

Wenn man Veronika Unterlerchner aus Lieserhofen dabei beobachtet, wie sie mit ihren Fingern durch das weiche und nasse Material gleitet und sie daraus tatsächlich eine Figur erschafft, erschafft, so ist das sinnlich und faszinierend zugleich.

Etwas mit den eigenen Händen schaffen
Die Pensionistin begann mit dem Töpfern vor 30 Jahren und bis heute ließ sie die Faszination an dem Handwerk nie los. „Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, wie aus einem gestaltlosen Stück plastischer Masse Formen in so großer Vielfalt entstehen können“, so die Lieserhofenerin, die sich die Kunst des Töpferns durch Neugier und Fleiß selbst beibrachte. Die Mutter von mittlerweile drei erwachsenen Söhnen suchte neben ihrer Aufgabe als Mutter und Hausfrau etwas, was ihr dabei half, aus dem Alltag auszubrechen: „Ich habe die Rolle als Mutter und Hausfrau sehr genossen, aber ich war nicht ausgelastet“, erinnert sich die Seebodenerin zurück und erzählt weiter: „Tief in mir drin sehnte ich mich danach, etwas mit meinen eigenen Händen zu (er)schaffen“.

Hingabe
Es besteht kein Zweifel daran, dass Töpfern Balsam für die Seele ist. Kein Wunder, denn Gedanken, die sich bis dato noch im Kopf gedreht haben, sind plötzlich wie weggeflogen. „Beim Kreieren von Engeln, Schüsseln und anderer Keramik muss man sich vollkommen auf seine Hände konzentrieren und sich in das Material hineinspüren. Es ist einfach kein Platz für Alltagssorgen und Gedanken“. Besonders spannend an diesem Kunsthandwerk ist auch die Tatsache, dass man im Gegensatz zu anderen Materialien das Endresultat nie ganz genau vorhersehen kann. Zwar hat man bereits im Vorhinein ein Bild der Figur im Kopf, doch am Ende entscheidet das Material selbst, inwieweit es sich in dieser Form verfestigen möchte. Doch genau dieser unkontrollierbare Aspekt macht den Reiz an dem Handwerk aus. So liegt die Perfektion für die Pensionistin im Unvollkommenen. „Ich war anfangs nie zufrieden mit meinen Arbeiten. Die Akzeptanz, Dinge, die man nicht mehr beeinflussen kann, loszulassen und die Schönheit im Unperfekten zu sehen, war ein langer Lernprozess. Heute bin ich auf jedes meiner Werke stolz“, so die Oma von drei entzückenden Enkelkindern. Jedes ihrer Kunstwerke trägt ein Stück ihrer Seele in sich.

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