Unüberlegte Reformen, Werteverfall, Migration. Der Lavanttaler Schulpsychologe Peter Zernig spricht über Herausforderungen, mit der sich das österreichische Schulwesen aktuell konfrontiert sieht.

Seit 1983 ist Peter Zernig als Schulpsychologe und Bildungsberater im Bezirk Wolfsberg tätig. Er fungiert als Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen. Die Probleme, mit denen sich Menschen an ihn wenden, sind vielfältig: Eltern mit Einschulungsfragen, Schüler mit Lerndefiziten oder Verhaltensauffälligkeiten sowie Lehrer in Konfliktsituationen mit Eltern stehen nur beispielhaft für ein breites Spektrum an Themen.

Unruhe im System
35 Jahre psychologische Tätigkeit erlauben zumindest das Erkennen von Entwicklungen: „An der Schule bemerkt man oft am schnellsten, was sich in der Gesellschaft verändert. Ich habe den Eindruck, dass eine starke Unruhe vorherrscht. Es gibt zu viele unüberlegte Reformen“, erklärt Zernig. Als ein Beispiel nennt er das Notensystem an der NMS: „In der ersten und zweiten Schulstufe haben wir die traditionelle Notenskala von 1 bis 5. In der dritten und vierten werden vertiefende und grundlegende Noten vergeben, also eine siebenteilige Notenskala, die noch nicht einmal zur Bevölkerung und zur Wirtschaft durchgedrungen ist und darum nun schon wieder reformiert wird.“

Respektlos
Große Herausforderungen betreffen aber nicht nur das System Schule, sondern auch den Umgang mit Menschen untereinander. „Respekt, Ehrlichkeit, Arbeitshaltung und Rücksichtnahme, alle diese Grundtugenden, mit denen Kinder früher in die Schule gekommen sind, spielen eine immer geringere Rolle“, so Zernig. Die sei nicht nur am Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern beobachtbar. Auch Eltern werden zunehmend fordernder und lassen oftmals ein Gefühl für Distanz missen: „Da werden beispielsweise spätabends noch Textnachrichten an den Lehrer geschickt, weil man mit der Beurteilung des Kindes nicht zufrieden ist.“

Migration
Zuwanderung ist auch im Lavanttal bereits ein Thema an einigen Schulen. „In Klassen mit einem zahlenmäßig hohen Anteil an Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache tun sich naturgemäß Konfliktfelder auf – nicht nur zwischen den einzelnen Migrantengruppen. Schulverantwortliche reagieren darauf bereits mit mobilen interkulturellen Teams“, erklärt der Psychologe. „Mein Standpunkt ist klar: Die Schule muss ein Hort der Sicherheit mit Nulltoleranz für Gewalt jeglicher Art sein. Das müssen alle akzeptieren.“

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