Kinder, die auf Klettergerüsten turnen, auf Bäume kraxeln und den Spaß am Kindsein in vollen Zügen genießen.

So sah der Alltag bisher in unseren Kindergärten aus. Leider geraten immer öfter Kindergärtnerinnen, die ihre Aufsichtspflicht verletzen, in die Kritik und müssen sich vor Gericht verantworten. Dies führte in vielen Kinderbetreuungseinrichtungen zu Verunsicherungen. Während sich einige dazu entschlossen haben, in Zukunft auf bisherige Aktivitäten mit den Kindern zu verzichten, entschied sich die Tagesstätte Milli-Kids in Millstatt dazu, alles beim Alten zu belassen. Der SPITTALER fragte bei der Leiterin der Tagesstätte, Anna Brandner, genauer nach.

Manchmal verletzen sich Kinder eben
Im Ganztageskindergarten werden Kinder zwischen 1-6 Jahren betreut. Fünf Erzieherinnen kümmern sich liebevoll um die 30 aufgeweckten Rabauken– sechs Kinder pro Erzieher – eigentlich ein ganz guter Schnitt. „Keine Frage, im Vergleich zu öffentlichen Kindergärten haben wir als elternverwalteter Verein einen guten Betreuungsschlüssel. Trotzdem müssen Eltern verstehen, dass immer etwas passieren kann“, so die Leiterin der Kindertagesstätte Milli-Kids Anna Brandner und erklärt weiter: „Viele Eltern wollen ihre Kinder in Watte packen, möchten sie vor allem beschützen, was natürlich verständlich ist, aber meiner Meinung nach gehören aufgeschlagene Knie zum Kindsein dazu“.

Alles bleibt, wie es ist
Natürlich spielt der Betreuungsschlüssel eine wichtige Rolle, trotzdem muss sich die Öffentlichkeit darüber bewusst werden, dass sich ein Kind auch verletzten kann, wenn man direkt neben ihm steht. Oft reicht ein Augenblick aus und das Kind purzelt vom Kletterturm. „Wenn es nach den zuständigen Behörden ginge, sollten wir mit den Kindern am besten keinen Fuß mehr vor die Türe setzen und auch in den Räumlichkeiten wäre es sicherer, die Kinder auf einen Stuhl zu binden“, erklärt die ausgebildete Kinderpädagogin. „Lieber gebe ich meinen Beruf auf, als dass ich meine Kinder auf irgendeine Weise „ruhigstelle“. Bei den Millis wird es also auch in Zukunft Spaziergänge in den Wald, Ausflüge, Skikurse oder das einfache Herumtollen am Spielplatz geben.

Abgesichert?
Das mulmige Gefühl bleibt jedoch. Daher haben alle Erzieherinnen bei den Millis für den Ernstfall eine Versicherung
abgeschlossen und auch die Eltern der Kindergartenkinder müssen beispielsweise für das Kraxeln am Kletterturm
ihr Einverständnis geben. Leider nützen solche Absicherungen, wenn es hart auf hart kommt, nichts, ist sich die Möllbrücknerin sicher. „Ich würde mir einfach mehr Fairness und vor allem Verständnis von den Eltern wünschen. Auch die Politik ist gefragt – denn mehr Personal würde viele Unfälle verhindern“, so Anna Brandner von der Kindertagesstätte Milli-Kids in Millstatt abschließend.

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