Der Kärntner Fußballverband (KFV) steht vor einer großen Herausforderung, schließlich fehlen rund 120 Schiedsrichter kärntenweit. Auch im Spittaler Bezirk stehen oft keine Schiris vor allem für Nachwuchsspiele zur Verfügung.

Bei jedem Spiel gibt es Regeln. So auch beim Fußball. Spieler kennen diese nur mangelhaft und/oder halten sich absichtlich
nicht daran! Daher gibt es Schiedsrichter, die ein profundes Regelwissen haben“, so Alfred Granig, Schiedsrichter aus Seeboden. Leider stehen nicht immer für alle Spiele geprüfte Schiris zur Verfügung, daher das Bestreben vom KFV, mit Hilfs-Schiedsrichtern diese Lücke zu schließen. Der SPITTALER informiert über das neue Projekt und klärt auf, warum es am Fußballplatz an Schiedsrichtern mangelt.

Man braucht ein dickes Fell
„Das Problem, mit dem wir uns seit geraumer Zeit konfrontiert sehen, wird einfach nicht kleiner: Woche für Woche kann ein Großteil der Nachwuchsspiele mangels verfügbarer Schiedsrichter nicht besetzt werden“, spricht KFV-Präsident Klaus Mitterdorfer aus der Praxis. Alfred Granig, der selbst im Jahr rund 100 Spiele als Schiedsrichter pfeift, kennt mögliche Gründe für den Schirimangel. So liege es daran, dass es sich um ein sehr zeitintensives Hobby handelt, das vor allem Flexibilität verlangt. Man braucht also schon einen toleranten Arbeitgeber und flexible Arbeitszeiten, um als Schiedsrichter überhaupt am Platz stehen zu können. Weiters ist Granig davon überzeugt, dass viele sich dem Druck und der Kritik am Spielfeldrand nicht aussetzen wollen: „Man braucht schon ein dickes Fell als Schiedsrichter. Vor allem bei den Nachwuchsspielen kochen die Emotionen oft hoch und man muss sich schon das eine oder andere mal Kritik vom Vater, dem Onkel oder dem Bruder gefallen lassen. Ich hab mir einfach in den Jahren angewöhnt, solche Einwände zu ignorieren. Für die Bewertung meiner Entscheidungen gibt es andere Zuständige“, so der Schiri. Zwar hat Alfred Granig in seiner Laufbahn noch nie gröbere Beschimpfungen oder gar körperliche Attacken erlebt, aber immer wieder werden Schiedsrichter zu Opfern von verbaler oder auch körperlicher Gewalt, wie erst im Sommer in Nickelsdorf, als der Schiri nach Meinung eines aufgebrachten Vaters falsch gepfiffen hatte und er ihn schließlich für seine Fehlentscheidung K.O. schlug. „Das Wichtigste am Platz ist das Fair-Play. Nicht nur seitens der Spieler und dem Schiri – auch das Publikum muss sich fair verhalten“, so Granig. „Hilfsschiris müssen gut ausgebildet, begleitet und gefördert werden. Besonders wichtig ist auch, dass sie darin gelehrt werden, wie man mit Kritiken und Anfeindungen richtig umgeht, damit sie nicht gleich das Interesse verlieren“.

Zahlen und Fakten
Aktuell sorgen rund 180 aktive Verbandsschiedsrichter für Ordnung am Platz. Davon 16 im Spittaler Bezirk. Durch das Hilfsschiedsrichter- Projekt soll nun endlich Unterstützung in den Bezirken folgen. Mitterdorfer: „Wir orientieren uns dabei am Vorzeigemodell des Oberösterreichischen Fußballverbandes. Dort ließen sich bis dato mehr als 3400 Personen ausbilden.“ Angesprochen werden sollen Vereinsfunktionäre, aber auch aktive Spieler. „Die Ausbildung, die einen halben Tag dauert und nach Regionen aufgeteilt wird, ist kostenlos. Auch die Kosten der Erstausstattung werden vom KFV übernommen“, erklärt Schiedsrichterobmann Hartwig Gangl. Anmeldung und weitere Infos finden Sie unter http://www.kfv-fussball.at/.

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